Euren im 19. Jahrhundert. Markusberg. 79

Malter. Die Kirchenfabrik bezieht von Ländereien etwa 25 Reichstaler jährlich, hat an Kapital 3873 Reichstaler. Die Kirche, im letzten Som­mer vergrößert, ist in ordentlichem Stande. Die Schule wurde nur im Winter besucht, doch kommen im Sommer die Kinder Sonn- und Feiertags zusammen, auch zuweilen in der Woche, um das Gelernte nicht ganz zu vergessen. In der Privatkapelle auf Monaise wird Sonn­tags eine hl. Messe gelesen, welcher die Schloßherrin und eine Magd beiwohnen. Außer den gewöhnlichen Prozessionen in der Bittwoche und St. Markus (letztere nach dem Markusberge) waren noch in Übung die am Bannfreitag und in statione luporum nach der Domkirche, am Feste Kreuzerhöhung nach Heiligkreuz.

Die Kirchenfabrik war im 19. Jahrhundert nicht reich, sie hatte 1820 nur 4921 Reichstaler Kapital. Aber die Pfarrgenossen waren ziemlich wohlhabend und machten manche Schenkungen an die Kirche, so u. a. 24 000 Mark für Arme, 1869 wurden sogar 600 Mark gestiftet, um aus den Zinsen alle acht Jahre die Kosten einer Mission zu be­streiten. Tatsächlich wurden 1892 und 1899 Missionen gehalten. Der Frühmesserfonds betrug 1889 7640 Mark. In der alten Kirche wurde zweimal ein Kreuzweg errichtet und in der neuen Kirche 1906. Dem Pfarrer wurde 1815 von der Gemeinde ein Zusatzgehalt von 400 Mark zugebilligt. Die Stolgebühren des Pfarrers waren 1833 berechnet: Taufe 0,45 Mk., Ausrufungen 3,50 Mk., Kopulation ein Halstuch oder dafür 3 Mk., große Leiche 3,50, Kind 0,90, ein Singamt 1,80 Mk. Die Zivilgemeinde legte 1866 einen neuen Kirchhof an. Der Verein der hl. Familie wurde 1883 eingeführt, die Herz-Jesu-Bruderschaft 1891.

Bei der neuen Umschreibung der Pfarreien im Jahre 1803 war der Markusberg der Pfarrei Euren zugeteilt worden. Derselbe lag tin Stadtbanne und wurde bürgerlich zur Stadt gerechnet.. Aber die Einwohner erfüllten ihre Pflicht durch Besuch des Gottesdienstes in der St. Antoniuskirche. Bis dahin war der Ostabhang des Berges unbewohnt. Aber als einzelne Häuser dort gebaut wurden, ent­stand Streit über die Pfarrgrenze. Der Pfarrer von Euren, Bellinger, wollte die fraglichen Häuser der Pfarrei Antonius zugewiesen wissen, der Pfarrer Graf von Antonius lehnte das ab. So entschied 1870 die Bischöfliche Behörde, daß die Häuser zu Euren gehören sollten. Die Bewohner des Markusberges waren nie recht zufrieden mit ihrer Zu­gehörigkeit zur Pfarrei Euren und wiederholt baten sie um die Zu­weisung zur Pfarrei Antonius. Als nun im Jahre 1881 der Gemeinde­st von Euren bestimmte, daß die Bewohner des Markusberges für die Bestattung auf dem Zivilkirchhof eine Taxe zahlen müßten, 9 Mark für eine große Leiche und 5 Mark für ein Kind, da baten diese wieder Um Zuweisung nach Antonius, aber vergebens. Die Kapelle auf dem Markusberge war früher Eigentum des St. Annenklosters zu Trier, wurde im Jahre 1802 vom Staate eingezogen und ging in Privathände über, welche das Gebäude für profane Zwecke benutzten. Im J. 1843 & ln g die Kapelle in den Besitz des bischöflichen Konviktes über und Wurde wieder dem kirchlichen Zwecke zugeführt. Es wurde dann auch