ehrer Groß aus Dierdorf, der fleißige historische Forscher des Wester- waldes, in der Neuwieder Zeitung Nr. 168, 1918: „Dieser in alten Schriften und Urkunden vorkommende Ausdruck wird seines Klanges wegen häufig mißdeutet. In den meisten Fällen bezeichnet er nicht einen befestigten Ort, sondern einen bestimmten Qerichtsbezirk bezw. Gerichtstätte. Zur Zeit der Qaueinteilung gehörte unsere Gegend bekanntlich zum sogen. Engersgau, als dessen Hauptversammlungsstätte man den Malberg bei Wirges ansieht. Der Gau war eingeteilt in Hundertschaften (nach der Zahl der dazu gehörigen Haushaltungen), auch Cent oder Veste genannt. Die Veste umfaßte in der Regel mehrere Kirchspiele. So gehörten zur Veste Dierdorf die Kirchspiele Dierdorf und Freirachdorf, zu Urbach die Kirchspiele Urbach und Raubach, zur Veste Stemel (Steimel) die Kirchspiele Puderbach Wambach und Dreis. In einer Urkunde vom Jahre 1404 ist auch von der hohen Veste zu Rengsdorf die Rede. In dem „Weißthumbs- Instrument der Dreyen Kirchspielen Dreiß, Wambach und Poderbach" vom Jahre 1553 lesen wir, daß „uf Montag den 13. des Monats Merz zwischen ein und zwei Uiren ungefehrlich nachmittag der Wohlgeborene Herr, Herr Johann Grave zu Wiedde, Herr zu Runckell und Isenbergh samt seiner Gnaden Dienern zu Poderbach unter der Linden nechst dem Kirchhof an] seiner Gnaden ordentlich Hochgericht, das man nennet die „Hohe Veste", vor Schultheißen, Richtern, Dimkleuth und Gemeinen Landmann", erschienen sei, um dem Gerichte beizuwohnen."
Zum Schlüsse dieses Abschnittes über Rengsdorfs Vergangenheit möchte ich eine Tatsache erwähnen, die mit dem Anfange des Abschnittes in innigem Zusammenhang steht: Heute, am 4. August, wo ich dieses schreibe, feiert die St. Castor-Kirche in Coblenz ihr 1082jähriges Bestehen. Die frühere Rengsdorfer Kirche, von der noch •der IVa Meter dicke Turm besteht, war aber von St. Castor in Coblenz gebaut und dem hl. Johannes Baptista geweiht worden. Ein besonderer Altar war nun in dieser Kirche auch dem hl. Castor geweiht, und ein eigenes Priestergehalt dafür stipuliert worden, wie obige Urkunde dartut. Die St. Castor-Kirche in Coblenz hatte mehrere Kirchen incorporiert, •die sie auch mit Pfarrern besetzte. So übertrugen z. B. am 9. Oktober 1465 der Vizedekan und das Kapitel von St. Castor dem Jakob von Nydernhoven die vakante Pfarrei der St. Castor-Kirche zu Rupach. — Als nun für die Kurgäste unter dem katholischen Pfarrer Hammes von Kurtscheid auch der katholische Gottesdienst wieder mit Bewilligung der geistlichen Behörde zu Trier hier im Jahre 1901 eingeführt wurde, schenkte Pfarrer Lehnen von St. Castor in Coblenz, eingedenk des früheren Incorporationsverhältnisses, den jetzigen Notaltar und Altarleinwand und Geld für das Glöcklein der neuen katholischen Kapelle, ■die nach Friedensschluß gebaut wird.
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