VI Vorwort.
Daß im zweiten Bande die Dekanate Trier, Konz und Engers vereinigt sind, hat m. W. seinen Grund nur darin, daß sie eben druckfertig waren. Die Geschichte der einzelnen Pfarreien ist in der Regel gegliedert nach einem — jedoch keineswegs gleichmäßig und streng durchgeführten — Schema, dessen Stichworte etwa sind: Alter und Entstehung der Ortschaften und Pfarreien, Seelenzahl, Grundherrlichkeit, Zehnt, Patronat, Inkorporation, Dotation, Pfarreinkommen, Kirchen und Kapellen, Pfarrhaus, Stiftungen, Klöster, Hospitäler, Bruderschaften, religiöses Leben, Schulen, Lehrer, Pfarrer.
Nach kritischer Lektüre der gedruckten Bogen des zweiten Bandes habe ich in den Osterferien 1925 den Mitarbeitern gegenüber meine Gedanken über Pfarrgeschichte im Hinblick auf den zweiten Band zusammengefaßt in die Forderungen: Stärkere und systematischere Berücksichtigung der innern Pfarrgeschichte, also, wo möglich, noch mehr von der Seelsorge, dem kirchlich-religiösen Leben (Kirchenpatro- zinien, Sonderfesten, Prozessionen, Wallfahrten, Missionen, kirchlichen Bruderschaften und Vereinen), vom sittlich-religiösen Leben und den Betätigungen der Caritas, von privater Frömmigkeit (Heiligenverehrung in bestimmten Anlässen und Nöten), von den religiösen und auch etwa abergläubischen Sitten und Gebräuchen, von Ortslegenden und -sagen; sodann mehr biographische und charakterisierende Behandlung der Seelsorgsgeistlichen und ihrer Wirksamkeit, ferner das Erreichbare über die Schule und endlich, wenn irgend möglich, eine Karte über das behandelte Gebiet.
Diese zum Teil durch die gegenwärtige volks- und heimatkundliche Bewegung mehr in unser Blickfeld gerückten Forderungen waren im ursprünglichen Plane der Pfarrgeschichte wohl nicht so scharf ins Auge gefaßt worden, wie es heute wünschenswert erscheint; daher ist auch ihr Zurückstehen im zweiten Bande begreiflich, während ihnen im dritten mehr Rechnung getragen ist. Am wenigsten finde ich das Ideal erreicht im ersten Teile des zweiten Bandes. Das auszusprechen ist mir dadurch wesentlich erleichtert, daß der Verfasser selbst, wie mir berichtetwurde, seinen Beitragweniger gut befunden hat, als die anderen Teile des Bandes. Die Erklärung hierfür liegt vermutlich darin, daß Professor Marx, der eben erst 1923 den ersten Band der Pfarrgeschichte bearbeitet und herausgegeben hatte, schon krank und wohl im Vorgefühl der schwindenden Lebenskraft gleich an den Druck des zweiten Bandes ging, ehe noch die Vorarbeiten dazu ganz vollendet waren. Trotzdem wird ein jeder, der die Lebensarbeit des um die Kirchengeschichte und um die Trierische Diözesangeschichte so hochverdienten, unermüdlichen Gelehrten kennt, diese letzte Gabe des wirklich „in den Sielen gestorbenen" Professors Marx mit Dank und Pietät aufnehmen. Eine wohlverdiente Würdigung der Person und der Lebensarbeit des Verewigten muß einer gelegeneren Zeit anheimgegeben bleiben. Wir haben auch allen Grund, die weiteren jetzt herausgegebenen Teile der Diözesan- Pfarrgeschichte mit Dank zu begrüßen, und ich bedaure nur, daß der verstorbene Pfarrer und Definitor Heinrich Volk das von ihm so heißersehnte Erscheinen des zweiten Bandes nicht mehr erlebt hat. Zu sei-
