84 Gründung der Pfarrei Irsch.

St. Martin diesem aus seinem Eigentum die Dörfer Irsch (Erdie), Hockweiler (Hocwilre) und K o r 1 i n g e n (Corlanch) geschenkt. Schon sehr frühe wird daher ein Gotteshaus in Irsch errichtet worden sein, wenn auch natürlich nur ein Holzbau, das dem Altare der hl. Ger­trud im Kloster unterstellt wurde, so daß die Seelsorgestelle ihren Sitz an diesem Altare hatte. Das war schon zur Zeit des erwähnten Erz­bischofs Theoderich der Fall. Die alte Kirche zu Irsch war den hh. Georg und Wendalin geweiht. Im Jahre 1720 mußte die Kirche neu gebaut werden, und schon 1834/6 fand ein Umbau der Kirche statt, bei dem die Scheune der Propstei mit ihren starken Mauern verwendet wurde, während der alte Kirchturm bestehen blieb.

Im Jahre 975 waren die Dörfer der Abtei entzogen worden, und der Erzbischof Theoderich I., der die Abtei nach langem Verfalle wieder herstellte, gab sie der Abtei wieder zurück. In der erwähnten Urkunde gibt der Erzbischof dem Kloster die Dörfer zurück mit der 1 n v e s t i - t u r. Das beweist, daß ein Geistlicher in Irsch wirkte, und Irsch wohl als Pfarrei zu betrachten war. Wohl bezeichnet Erzbischof Theo­derich II. 1218 die Kirche in Irsch l ) ausdrücklich alsKapelle", aber das beweist nicht, daß nicht eine Pfarrei Irsch bestand, denn diese hatte ihren Sitz an dem Gertrudenaltar in der Krypta des Klosters. Eine päpstliche Urkunde von 1217 2 ) bezeichnet die Kirche alsEcclesia", womit gewöhnlich eine Pfarrei gemeint ist. Theoderich inkorporiert das Vermögen von Irsch dem Kloster, und von da an versah ein Mönch des Klosters die Pfarrstelle. Das Kloster bezog von 1218 an den gan­zen großen und kleinen Zehnten in der Pfarrei, und 1282 bekennen die drei Gemeinden der Pfarrei ausdrücklich, daß sie verpflichtet seien, den Heuzehnten von allen Wiesen zu leisten:') Es wurde 1501 weiter be­stimmt, daß der Lämmerzehnten auf das Fest des hl. Michael geliefert werden solle und für jedes Kalb auf Maria Lichtmeß dreigouder, frischer Hoenereyer" statt des Zehnten zu zahlen seien.") Von dem Ritter Daniel von Winnenberg erwarb das Kloster 1275 die Vogtei über Irsch und 1280 von Wirich von Winnenberg die Vogtei über Korlingen. 5 )

Das Kloster hatte ein Gericht für die Pfarrei eingesetzt mit einem Schultheiß an der Spitze und sieben Schöffen aus der Pfarrei. Diese Schöffen stellten am 5. März 1497 ein Schöffenweis'tum auf, welches u. a. folgende Bestimmungen enthielt: Der Abt von St. Martin istGrundherr, Vogtherr, Zehntherr und Lehnherr" der Pfarrei, er hat alle Gerechtigkeit und Herrlichkeit", soll aber die Pfarrgenossen den Weidgang mitgenießen lassen, 24 Hufen sind vorhanden, welche jede 1 Mltr. Korn, 14 Vierzel Hafer und 4 Hühner zu liefern haben und jeder Untertane ein Rauchhuhn. Der Abt bezieht alle Zehnten von Weizen, Korn, Hafer, Gerste, und was sonst wächst, sowie den kleinen Zehnten von Lämmern, Ferkeln, Bienen, Hanf, Flachs und Heu. An Fronden hat der Abt nach alter Gewohnheit zu fordern von jedem, der Besitz in der Pfarrei hat, im Sommer einen Tag Heu mähen, 2 Tage Korn

1 ) Sachs-Schreiner, Historia monast. st. Martini 1. 137.

-) Ebd, 131. : ') Ebd. 1. 201. ") Ebd. 2. 1. 5 ) Ebd. 1. 186, 197.