Visitationsprotokolle für Zewen. 111

das Jakobsspital, und 1454 wird dieser Zehnten von dem Erben wieder eingelöst. 1 )

Die Visitationsprotokolle 2 ) besagen Folgendes: Im Jahre 1609: 150 Kommunikanten, inkorporiert der Domdechanei, Pa­trone der hl. Martin, die hl. Katharina, der hl. Matthias, 3 Altäre, 3 Kelche, eine kupferne Monstranz. Die Seelsorge ist übertragen dem Dominikaner Matthias Currentz, der Kaplan hält jeden Sonntag Gottes­dienst, an den anderen Festen geben die Pfarrgenossen Präsenzen. Der Dechant hat alle Zehnten, bis zu 45 Malter Korn. Der Kaplan bezieht aus Wittumsgütern und an Zehnten aus Waldstücken 6 bis 8 Malter Frucht, aus Heu 1 Gulden, aus jedem Hause ein Quart Korn. Alles Notwendige für die Kirche besorgt die Fabrik, die ungefähr 60 einfache Gulden Einkünfte hat. Die Pfarrei hat eine Kapelle des hl. Michael in Oberkirch; alle 14 Tage wird Messe dort gelesen und am Patronats- und Kirch weihfest. Den Meß wein stellt der Küster und erhält von jedem Pfarrgenossen zur Weinernte A Quart Wein.

Zu der Visitation des Jahres 1640 hatte der Domdechant Einspruch erhoben. Der Visitator, Großarchidiakon Hugo Friedrich von Eltz, beschied die Zewener nach Euren und erklärte, er werde die Visitation vornehmen, aber ohne ein Präjudiz schaffen zu* wollen gegen die vom Dechant behauptete Freiheit von der Visitation. Kaplan ist der Dom­altarist Nikolaus Radscheid. Das Ziborium ist von Holz, im Innern eine Pyxis von Zinn; es fehlen die anderen für die Kirche notwendigen Paramente. Es wird verordnet, daß der Taufstein und die Kapelle in Oberkirch repariert werden. Es werden die Mahlzeiten abgeschafft, welche die neugewählten Schöffen zu geben pflegen, statt dessen soll jedem Schöffen und dem Pfarrer ein Taler gegeben werden.

Im Jahre 1656 ist die Visitation vom Papste befohlen, deswegen geht der Visitator ohne Rücksicht auf den Einspruch des Domdechanten bei der letzten Visitation vor. Vikar ist derselbe wie 1640. Zwei Bruderschaften sind vorhanden, die des hl. Sebastian und die des hl. Hubert; an diesen Tagen hält der Vikar Gottesdienst und erhält als Lohn das Opfer. Zum Unterhalt des Chores und des Schiffes ist der Zehntherr verpflichtet, die Gemeinde für den Turm. Die Fabrik hat an Einkünften 63 Gulden, an Wachs nichts, an Öl zwei Sextare, außerdem Zins aus der Wiese Wießloch, an Nüssen nach der Frucht­barkeit des Jahres; die Fabrik ist verpflichtet für alle Paramente. Filiale ist Oberkirch, Patron der hl. Michael, ein Altar mit den nötigen Paramenten, ein silberner Kelch. Der Pfarrer ist verpflichtet zu jähr­lich zehn Messen, für jede erhält er acht Albus, es werden ihm zehn zugebilligt aus Rücksicht darauf, daß die Fabrik vermögend ist. Die Fabrik hat jährlich etwa 40 einfache Gulden; ein Malter Korn und aus einer Wiese A Vierzel Korn, an Öl 4'A Quart, an Wachs nichts

Die Kirchenfabrik war nach der Franzosenzeit arm: Der Kapitalstock betrug 1817 1919 Rtlr., fiel 1820 auf 1849 Rtlr., be-

*) Lager, Regesten des Jakobsspitals No. 62, 163, 190. 2 ) TA. 17/8. 98 ff.