Leider mußte der Kurort wegen der Lebensmittelknappheit sich große Einschränkungen auferlegen, sodaß die Gesamtzahl der Gäste im Vergleich zur Friedenszeit zurückgegangen ist.
Schon seit dem Jahre 1901 entwickelte sich der internationale Verkehr aus Amerika, Spanien, Türkei, England, Holland, Frankreich, Oesterreich. Und so waren denn auch im selben Jahre 98 Städte Deutschlands hier vertreten, an der Spitze Cöln mit 527 Kurgästen.
Den Kurgästen stehen 4000 ha Wald, vorwiegend Laubholz, eine Stunde im Umkreis zur Verfügung. 26 Kilometer besonders angelegte und sorgfältig gepflegte Fußwege sind in diesen Waldwegen vorhanden. Dazu kommen 346 Bänke und 27 Schutzhütten. Während der letzten 18 Jahre wurden 98 stattliche, für die Fremden eingerichtete Wohnhäuser errichtet.
Bei allem, was hier geschah, gehen durch alles wie ein roter Faden die sechs Grundsätze des Herrn Bürgermeisters Wink:
1. Oberster Grundsatz: Peinliche Ordnung und Sauberkeit aller- wärts.
2. Peinlich genaue übersichtliche Bezeichnung der Waldwege, damit jeder sich im Walde heimisch fühlt.
3. Herzliche Teilnahme an dem Wohlergehen jedes Gastes.
4. Sorgfältiges Festhalten an mäßigen Preisen, damit Mittelstand und Minderbemittelte die Wohltaten des Waldes genießen können. So ist dann der Kurort zugleich tätig auf dem sozialen Gebiet.
5. Sorgfältige Pflege schlichter Einfachheit, wie sie der Wald liebt. Damen also ohne Hut im Walde spazieren. Als im letzten Jahrzehnt die Frauenmode häßliche Auswüchse schuf, war diese Anordnung von mächtigem Erfolg begleitet. Ohne Hut unterblieb nun auch die große, protzige Toilette.
6. Ständiger Druck auf die Wirte wegen mäßiger Preise.
Während in vielen anderen größeren Bädern sich die ungünstigen industriellen Verhältnisse nachteilig bemerkbar machten, ist hier das Gegenteil zu verzeichnen gewesen. Daß infolge des stetig wachsenden Fremdenbesuchs die gewerblichen Unternehmer aller Art einen nicht unerheblichen Aufschwung erfahren haben, liegt klar zutage; hat doch, wie die „Coblenzer Zeitung" erfährt, der jährliche Umschlag der Hotels und Privatpensionen eine halbe Million Mark längst überschritten. Dazu kommt, daß trotz der regen privaten Bautätigkeit auch diesmal die für Sommerfrischler verfügbaren Räume nicht ausgereicht haben und Hunderte von Erholungsuchenden nicht unterkommen konnten. Welch eine Riesenarbeit von dem energischen, umsichtigen und liebenswürdigen Bürgermeister Wink hierbei geleistet wurde, davon weiß ganz Rengsdorf und davon wissen auch die meisten Kurgäste zu erzählen, 26
