Am 1. Juni 1570 schließen Jacobus, Erzbischof von Trier, und Johann Graf zu Wied mit seiner Frau Catharina, geborene Gräfin zu Hanau, einen Tauschvertrag wegen des Trierischen Zehnten im Wiedischen und der Wiedischen im Trierischen Gebiete. Graf Johann erhält den Zehnten zu Rengsdorf und 472 Malter Hafer zu Kurt­scheid (Cortscheid), die bisher in das Haus Hammerstein am Rhein fielen, zu Lehen. (Gulden und Batzen waren damals die Geldsorten. Bei Berechnung des!Mehrwertes wurden auf Grund vieljähriger Re­gister z. B. 2 Malter Hafer mit 1 Malter Korn, 3 Malter Korn für 100 Taler, 1 Fuder Wein mit 300 Taler berechnet.)

Am 26. August 1678 verpfändet Erzbischof Max Heinrich von Cöln dem Erzbischof Damian Hartard von Mainz und dessen Vettern, Frei­herren von der Leyen zu Odendorf, dasSchloß und Amt Neuer­burg und Dorf Kortscheid" für 26000 Reichstaler. Am 28. August 1678 stellt Erzbischof Damian Hartard über vorstehende Verpfändung einen Revers aus. Und am 2. Dezember 1678 fand auf Schloß Aren­fels bei Hönningen an den Vertreter des Erzbischofs von Mainz die Uebergabe statt.

Im Juni 1740 findet dann in bezug auf vorstehende Verpfändung die Kündigung der Pfandschaft des Amtes Neuerburg und Kurt­scheid s an die Grafen von der Leyen statt. Hiermit schließen wir diese trocknen Daten über Kurtscheid. Die angeführten Inhaltsangaben von Urkunden genügen, um das innige, zusammengehende Verhältnis von Kurtscheid mit der Neuerburg zu zeigen. Das Verhältnis war auch deshalb ein inniges, weil viele Burgfriedener, Dienstleute der Burg, zu Kurtscheid wohnten.' Da wir im folgenden Kapitel die Neuerburg behandeln, so behandeln wir darin auch einen weiteren Verlauf der Kurtscheider Vorzeit mit.

Nun kommt eine der interessantesten und bedeutungsvollsten Perioden von Kurtscheid: Es ist die Geschichte Kurtscheids zur Zeit der Reformation und deren Folgezeit. Alle Daten und Tatsachen sind entnommen dem oben erwähnten Fürstlichen Archiv zu Neuwied und dem Pfarrarchiv zu Rengsdorf:

Die Reformation begann in der Grafschaft Wied schon im Jahre 1542, machte aber erst weitere Fortschritte, als im Jahre 1546 der Graf Johann IV. zu Wied zur Reformation übertrat.

Wie wir schon beim KapitelRengsdorf erwähnten, ordnete dieser Graf Johann IV. dann 1556 eine allgemeine Kirchenvisitation in seiner Grafschaft an, und dabei stellte es sich heraus, daß in Rengsdorf die Reformation überhaupt noch keinen Eingang gefunden hatte. Der da­malige Pfarrer von Rengsdorf, Peter Breid, war auch durch kein Mittel, auch nicht durch Wegnahme von Vieh und Lebensmitteln zu bewegen, zur Reformation überzutreten. Um ihn nun in Rengsdorf unmöglich zu machen, brachte man bei dem sonst so gütigen Landes­herrn, Grafen Johann IV, zu Wied, alle erdenklichen Beschuldigungen 64