händigen Schreiben fordert er vollkommene Erstattung des an den 1 Kurtscheidern begangenen Raubes.

Dem Grafen zu Wied waren die Uebergriffe seiner Re­gierung bis dahin unbekannt geblieben, und er forderte daher am 27. März 1760 genauen Aufschluß vom Amtmann Meisbach. Dieser antwortete, daß bei den jetzigen Kriegszeiten eine Erhöhung der Matrikularbeiträge notwendig sei, im übrigen aber könne man die . Beschwerde der Kurtscheider nicht berücksichtigen.

Da also auf diesem Wege keine Einigung zu erzielen war, so ging man die juristische Fakultät zu Marburg um ihre Entscheidung an. Diese erklärte im Dezember 1762, daß die Schulden der Kurtscheider nicht präscribiert seien. Am 29. März 1763 aber gesteht Amtmann Meisbach zu, daß bei einer gerichtlichen Entscheidung für die wiedische Regierung schwerlich ein günstiges Urteil erzielt würde. Darum wurden von Seiten der wiedischen Regierung keine weitern Beschwerden er­hoben und die Sacheals eine Rebellion, von der man nicht gerne redet", nicht mehr beachtet.

Von jetzt ab kamen ruhigere Zeiten für Kurtscheid. Da im wiedischen Gebiet es keine Pfarrei mehr gab, an die sich das Dorf an­schließen konnte, so wurde es Pfarrvikarie der Pfarrei Waldbreitbach. Doch mußten auch jetzt noch die Abgaben für den Pfarrer und Küster nach Rengsdorf entrichtet werden wegen der im Kirchspiel Rengs- dorf gelegenen Felder, Wiesen und Waldungen. Erst im Jahre 1860 hat sich Kurtscheid durch Auszahlung eines beträchtlichen Kapitals an die Rengsdorfer von dieser Last befreit.

Die Pfarrvikarie Kurtscheid besteht jetzt grade 200 Jahre. Als Stifter derselben gilt Matthias Eudenbach, dessen Familie von Sieben­morgen stammt. Aus Liebe zu den bedrängten Kurtscheidern und um ihnen den sehr beschwerlichen Kirchgang nach Waldbreitbach zu ersparen, blieb er bei ihnen; ja, er änderte sogar seinen Namen und nannte sich fortan Kurtscheid. Das alte Vikariegebäude im Hofe des Pfarrhauses soll das Wohnhaus seiner Eltern gewesen sein. Der neben der Kirche gelegene zum Pfarrwittum gehörige große Garten ist eine Stiftung des Herrn Kurtscheid. Geboren am 17. Juni 1688 starb derselbe am 8. Februar 1754. Mit geringen Unterbrechungen wurde die Vikarie Kurtscheid fortan meist durch eigene Geistliche verwaltet. Die folgenden Daten können teilweise nicht durch Akten nachgewiesen werden. Sie sind einer alten Chronik entnommen. Unter Pfarrvikar Kurtscheid wurde auch die erste notdürftige Kapelle gebaut. Bis dahin war kein Gottesdienst in Kurtscheid, sondern die Kurt­scheider besuchten vor der Reformation den Gottesdienst hauptsäch­lich in der Burgkapelle der Neuerburg oder in Rengsdorf, wo auf dem Kirchhof ein extraer Platz für die Kurtscheider war. Nach der Reformation gingen sie zum Gottesdienst nach Waldbreitbach.

Im Jahre 1767 wurde Johann Adam Bartes Vikar von Kurtscheid. Er wirkte daselbst 12 Jahre bis zum 25. April 1759. Auf ihn folgte 70