Die Kapelle von Kurtscheid war im Laufe der Zeit baufällig geworden, auch bot sie für die beständig anwachsende Gemeinde keinen Raum mehr. Es trat daher an Kurtscheid die Notwendigkeit eines Neubaues heran. Weil nun Kurtscheid allein auf sich angewiesen war und von dem Bau des Schulhauses im Jahre 1837 noch Schulden hatte, so waren die Aussichten für die Förderung des Baues keineswegs glänzend. Ein Bittgesuch der Kurtscheider an das Ministerium des Fürstentums Wied um eine Unterstützung wurde abgewiesen; doch gestattete der Fürst zu Wied eine mehrmalige Kollekte bei den Katholiken des Fürstentums. Auch die umliegenden protestantischen Gemeinden vergaßen den alten Streit und lieferten Eichenholz zur neuen Kirche. So wurde denn im Vertrauen auf Gottes Hilfe im Jahr 1842 der Bau begonnen. Nur der großen Opferwilligkeit der Kurtscheider war es möglich, das Werk so schnell zu vollenden; denn, da es sehr an Geld mangelte, so mußten die Leute das meiste durch Frohndienst selbst beschaffen. Im Jahre 1843 war der Bau fertig und am 1. September desselben Jahres, am Schutzengelfeste, wurde die Kirche von Herrn Tömmel, unter Assistenz der Pfarrer Scheffer von Waldbreitbach und Krämer von Horhausen benediciert.
Gleich nach der Reformation, als Kurtscheid sich an Waldbreitbach angeschlossen hatte, wurden alle Leichen auf dem dortigen Pfarrkirchhof beerdigt. Bei der großen Entfernung und der zur damaligen Zeit noch gänzlich unwegsamen Gegend war es aber im Winter schier unmöglich, dorthin zu gelangen. Einmal wurde sogar im Winter eine auf einem Wagen fahrende Leiche vom reißenden Wiedbach fortgeschwemmt. Schon lange war es deshalb der Wunsch der Kurtscheider, einen eigenen Friedhof zu besitzen. Den Bemühungen des Herrn Tömmel, der mit dem größten Eifer die Sache betrieb, gelang es, alle entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen, und er erlangte für Kurtscheid die Erlaubnis, einen Gottesacker anzulegen. Derselbe wurde von ihm am 4. September 1842 ' eingesegnet. Doch erwies er sich bald als zu klein und mußte noch zweimal in den Jahren 1863 und 1882 vergrößert werden.
Der Nachfolger des Herrn Tömmel war Herr Stratmann, der am 30. September 1847 hierher kam und am 13. Oktober 1849 nach Kirmutscheid in der Eifel versetzt wurde. Darnach wurde Kaplan Moritz, geboren zu Trier, am 28. November 1849 Vikar in Kurtscheid. Er war hier bis zum 22. Oktober 1851, an welchem Tage er seine Pfarrstelle zu Ober- und Niederhammerstein antrat, wo er auch begraben liegt. Ihm folgte am 8. Mai 1852 Hermann Kierich. Derselbe wurde später Pastor in Illerich; von da ward er am 10. August 1855 nach Schleidweiler versetzt.
In den folgenden Jahren bis 1857 wurde das baufällige Vikarie- gebäude abgerissen und das jetzige Pfarrhaus aufgebaut. Pfarrvikar Kercher, früher einem Missionsverein angehörig, hielt am 15. November 1857 seinen Einzug in Kurtscheid. Wie er unab- 72
