freilich ungewöhnlich", sagt Reck, aber doch möglich, daß diese Mechtildis dieselbe gewesen sei, die wir noch im Jahre 1283 als Gräfin von Sayn und Witwe Heinrichs 111. am Leben finden werden, im Jahre 1215 als Jungfrau, bald darauf als Gemahlin Heinrichs III., die besagte Stiftungen gemacht und über 83 Jahie alt, noch mit vollem Verstände gehandelt habe. Daß sie die Tochter von Jutta, (Jutta d. h. Judith, ein damals sehr beliebter Frauenname in adeligen Familien) der einzigen Tochter des Landgrafen Ludwig III. von Thüringen und des Markgrafen Dietrich von Landsberg war und somit eine wirkliche Tante des Landgrafen Ludwigs IV. und seiner Gemahlin, der hl.Elisabeth, gewesen ist, möchten wir im nachstehenden dartun: (Wir bereiten damit eine Episode über die hl. Elisabeth vor, die nach der Tradition mit der Gräfin Mechtildis von Sayn aus einen Besuch auf der Neuerburg gemacht haben soll. An geeigneter Stelle werden wir über diese Tradition weitläufiger berichten.)
In betreff der aus dem Thüringischen Landgrafenhause stammenden Jutta, der Gemahlin Dietrichs von Landsberg und der Mutter der Mechtildis, der Gemahlin des im Jahre 1246 gestorbenen Grafen Heinrich III. von Sayn, fehlt in den älteren Stammbäumen deren Aufnahme. Der Name Jutta ist aber in dieser Familie typisch. Da die nahe Verwandtschaft mit der Landgräfin Elisabeth (f 1231) an verschiedenen Stellen hervortritt, so bleibt nichts anderes übrig, als Vermutungen anzustellen. Diese wären auf Grund des bestehenden Stammbaumes folgender Art:
1. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Ludwig der Eiserne (f 1172) auch eine Tochter Jutta gehabt hat.
2. Es könnte ferner der Bruder Ludwigs des Eisernen, Ludwig der Jüngere, welcher Thomasbrück erbaut hat und 1180 gestorben ist, eine Tochter Jutta hinterlassen haben.
3. Wäre es nicht möglich, daß Jutta, die Tochter Ludwigs III. (t 1149), welche mit dem 1174 gestorbenen Wladislau, König von Böhmen, vermählt war, in zweiter Ehe den Markgrafen Dietrich von Landsberg zum Gemahl gehabt hätte?
4. Ludwig der Fromme (f 1192) hatte in erster Ehe die Margaretha, Tochter des Markgrafen Leopold IV. von Oesterreich, zur Gemahlin, von welcher er sich scheiden ließ. Angeblich hat derselbe keine Kinder hinterlassen. Wenn nun doch eine Tochter Jutta vorhanden gewesen wäre, die aber bei der üblichen männlichen Nachfolge nicht berücksichtigt und nur mit verschiedenen Besitzungen abgefunden worden wäre? !
5. Dann haben wir noch die letzte Thüring'sche Jutta (f 1235), die erste Gemahlin des 1222 gestorbenen Markgrafen Dietrich von Meißen," die Schwägerin der hl. Elisabeth und Stammutter der aus dem Meißen'schen Geschlechte stammenden Landgrafen von Thüringen. In dieser Stammnachfolge werden 6 unbekannt gebliebene 110
