Die Klosterkirche von St. Matthias. 71
Kirchenrechnung kann bis jetzt nicht vorgewiesen werden, es wird verordnet, daß sie aufzustellen ist. Die Kirchenkiste fehlt, daher wird eine solche verlangt. Der Visitator klagt, daß die Pfarrei sehr schlecht versorgt ist. Die Behörde fordert, daß der Pfarrer jeden Sonntag Pfarrgottesdienst nebst einer Predigt oder Katechese halte und damit er das leisten könne, entweder auf die Pfarrei oder auf seine Kaplanei bei St. Antonius verzichte.
Müllör 1 ) schätzte die Pfarrkirche St. German auf ein Alter von 7/8 Hundert Jahre. Sie war nur 34 Fuß lang und 21 Fuß breit. Der Hochaltar wies in der Mitte die Statue des hl. Germanus, auf der Evangelienseite die der Gottesmutter, auf der Epistelseite des hl. Hubertus auf. Nur ein paar Häuser standen bei der Kirche. Im Jahre 1803 wurde die Pfarrei aufgehoben und die Pfarrgenossen nach St. Matthias ein- gepfarrt mit Ausnahme Merzlichs. Die Kirche wurde an einen Trierer Bürger versteigert, der sie zu einem Wohnhaus umgestaltete. Der Kirchhof wurde zum Haushofe gemacht, nachdem die dort vorfindlichen Gebeine nach der Mosel gebracht „und dort elendiglich herumgeworfen waren".
Im Jahre 1803 wurde die Klosterkirche 2 ) von St. Matthias der Pfarrei als Pfarrkirche zugewiesen. Hier ist die älteste Stätte des christlichen Kultus in Trier. 3 ) Unter den ersten Bischöfen der Trierer Diözese muß hier ein, wenn auch bescheidenes gottesdienstliches Lokal sich befunden haben. Daß die Kirche sich in dem 4. Jahrhundert vorfand, ergibt sich aus der Nachricht, daß der hl. Quiriakus in der Kirche gebetet habe.") Die Kirche hat der Bischof Cyrillus um das Jahr 455 neu gebaut oder doch restauriert. 5 ) In einem Altare, wohl dem Floch- altare der Kirche, bestattete er die Gebeine des hl. Eucharius und des hl. Valerius, wie eine Inschrift, eines der ältesten Zeugnisse für die Trierer Kirchengeschichte, besagt. Die Gebeine des hl. Maternus ruhten in einer Kapelle auf dem Kirchhof der Kirche. Um die Kirche scheint sich auch Nicetius (525/66) verdient gemacht zu haben. Die Verwüstung der Normannen (882) hat wohl auch die Kirche des Klosters und dieses getroffen. Unter Erzbischof Egbert (977/93) ist man im Bau einer neuen größeren Kirche begriffen, wobei man die Gebeine des hl. Celsus entdeckte.")
Im Jahre 1037 übertrug der Erzbischof Poppo die Reliquien des hl. Maternus aus seiner Kapelle nach dem Dome, wo sie bis jetzt aufbewahrt wurden 7 ); sein Nachfolger Eberhard schenkte 1050 den größten Teil der Reliquien des hl. Valerius dem Kaiser Heinrich III. für seine Kirche zu Goslar. 8 ) Bei derselben Gelegenheit wurde auch das Grab
') Schicksale S. 461.
2 ) Diel, Die St Matthiaskirche bei Trier, Trier 1881.
3 ) Beissel, 1. 136 ff.
') AA. SS. Mai 7. 21. Es ist die im 8. Jahrh. geschriebene Vita s. Maximini.
5 ) Brown, 1. 297; Beissel, 1. 185.
") AA. SS. Febr. 3. 396, MO. SS. 8. 170, 204.
7 ) Ebd. Sept. 4. 394; Brower, 1. 518. 8 ) MRUB. 1. 340.
