72 Die Klosterkirche voii St. Matthias.
des Apostels Matthias geöffnet, aber schnell wieder geschlossen, um nicht dem Kaiser auch von diesen Reliquien geben zu müssen. 1 ) Fast 80 Jahre später ließ Abt Eberhard die Kirche neu bauen, und da man den Altar der Gottesmutter zerstörte, kamen die Reliquien des Apostels wieder zum Vorschein. 2 ) Nun verschloß man die Reliquien des Apostels in einen Sarkophag über der Erde, den man bei dem Brande der Kirche im Jahre 1131 vor dieselbe schaffte, so daß er unverletzt blieb.'') Seit 1127 geschahen zahlreiche Wunder") am Grabe des Apostels und zogen große Scharen von Pilgern herbei, und das Kloster, bisher Zelle des hl. Eucharius genannt, erhielt den Namen des Apostels Matthias.
Die Kirche, stark durch den Brand zerstört, mußte wieder neu errichtet werden, und sie wurde dann im Jahre 1148 von Papst Eugen III. auf feierlichste Weise konsekriert. Den Mochaltar konsekrierte der Papst selbst, den Altar in der Mitte der Kirche vor dem Grabe des Apostels der Erzbischof Albero. Von den Bischöfen in der Begleitung des Papstes wurden noch vier Altäre in der Kirche und einer in der Krypta konsekriert. 5 ) Die Kirche ist eine Pfeilerbasilika. Sie war mir Ausnahme der Nebenschiffe ohne Gewölbe, das Hauptschiff, das Kreuzschiff und das Chor waren mit Holzdecken versehen. Die Kirche hatte einen mächtigen Turm an der Front und zwei kleinere Türme an der Ostseite.
Der Ausbau der Kirche erfolgte erst unter Abt Anton Leiwen (1484/519) durch den tüchtigen Baumeister Jost von Wittlich. Er spannte über Haupt- und Kreuzschiff ein prachtvolles Netzgewölbe mit sehr zahlreichen Brustbildern in den Schnittpunkten der Rippen. Diese Brustbilder stellen dar Engel mit den Marterwerkzeugen Christi, trierische Bischöfe, die Apostel und Kirchenväter, Personen des Alten und Neuen Testamentes. Jedoch Schnittpunkte, welche ein größeres Bild aufnehmen konnten, sind mit Halbbildern versehen. Das Ganze stellt dar die Erlösung der Welt durch Christus und die Vermittlung der Erlösung durch die Kirche.") Auch der Chor wurde nach Osten verlängert und erhielt polygonale Form. Erzbischof Richard von Greiffen- klau weihte im Jahre 1522 den Chor als Abschluß des Baues ein. 7 )
Auch prachtvolle gemalte Fenster erhielt die Kirche in jener Zeit. Aber es kam die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert, wo es als das Höchste betrachtet wurde, ganz helle Kirchen zu haben. Der Abt Adalbert Wiltz ließ daher die gemalten Fenster bis auf eins im Chore entfernen und beraubte damit die Kirche eines herrlichen Schmuckes. Im Jahre 1783 verzehrte eine gewaltige Feuersbrunst das Dach der Kirche, die Spitzen der drei Türme und das Dach der Maternuskapelle und schmolz die zehn Glocken der Kirche. Bald stellte man die Kirche wieder her. Aber die Türme erhielten statt der Helme ein nicht zum Bau der herrlichen Kirche passendes Ringgeländer und ein starker
*) AA. SS. Febr. 3. 446, 449. 2 ) Ebd. S. 450. a ) Ebd. S. 450 ff. ") Miracula s. Matthiae in No.98 der Manuskripte der Seminarbibliothek. 5 ) AA. SS. Febr. 3. 453. °) Diel, S. 51. 7 ) Gesta 2. 355.
