Die Pfarrkirche von Sl. Matthias im 19. Jahrhundert. 73

Renaissancevorbau im Westen wurde angefügt. Die Maternus- und die Muttergotteskapelle wurden niedergerissen.

Im Jahre 1839 war die Kirche sehr schadhaft geworden, starke Risse zeigten die Gewölbe, das Dach war schadhaft und die Mauern sehr feucht und es war zu fürchten, daß die Kirche zur Ruine würde. Man entschloß sich daher, die notwendigsten Reparaturen vorzuneh­men. Aber woher die Mittel dazu nehmen? Die Fabrik arbeitete mit Fehlbeträgen, die Gemeindekasse war leer und die Pfarrgenossen arm. Nun erlaubte die staatliche Behörde, in der Rheinprovinz eine Haus­kollekte zu halten, die teilweise vom Pfarrer und seinem Kaplane aus­geführt wurde. Sie ergab 6774 Mk. Nun wurde das Dach zunächst ausgebessert und an der Nordseite die Erde mehrere Fuß tief weg­geschafft, so daß der Boden einen Fuß tief unter den Boden der Kirche kam; er wurde mit gepflasterten Steinen versehen, sodaß das Wasser abfließen konnte. Im Innern wurden die Risse ausgebessert.

Sodann folgte eine bedeutende Änderung im Innern der Kirche. Die Kirche hatte bis dahin zwei Hochaltäre, den einen zwischen dem siebten Pfeilerpaare, den anderen im Chore; hinter dem ersten \ltare erhob sich die Tumba des Apostels Matthias. Nun wurde der Chor- altar entfernt und an seine Stelle das Apostelgrab gesetzt. Der andere Hochaltar wurde mitten in der Vierung angebracht und der Chor um zwei Pfeiler nach Osten zurückgelegt und dieser Platz mit dem Schiffe m eine Ebene gebracht. Mehrere Altäre wurden beseitigt. Die Krypta aber blieb in ihrer ganzen Länge bestehen. Die Kirche wurde neu getüncht und die Rippen des Gewölbes in Steinfarbe gesetzt. Unter Pfarrer Treitz wurde dann auch die Kirche ausgemalt, aber ohne bild­lichen Schmuck, nur so, daß die Bauteile die rechte Wirkung erhielten u nd die Schlußsteine recht zur Geltung kamen. Zwei herrliche gemalte Fenster stifteten im Jahre 1886 die Verehrer und Freunde des Bekenner­bischofs Eberhard zu seinem Andenken.

Papst Benedikt hat die berühmte Kirche durch Breve vom 20. März !920 zum Range einer päpstlichen Basilika erhoben. Aus diesem An­lasse wurden die Gebeine des Apostels Matthias und der Bischöfe Eu- eharius und Valerius erhoben und vom 8. bis 16. Mai der Verehrung der Pilger ausgesetzt. Die letzte Erhebung der Gebeine des Apostels w ar 1786, der des hl. Eucharius um 1620 erfolgt. Arn 29. Oktober 1922 zogen dann Benediktiner aus Seckau in das Pfarrhaus von St. Matthias f ln . und ihnen wurde die Leitung der Pfarrei übertragen. Einen kost­baren Schatz besitzt die Kirche von St. Matthias in der kunstvoll her­gestellten Tafel mit einer großen Kreuzpartikel, welche der Ritter Hein­rich von Ulmen 1207 aus Konstantinopel mitgebracht und der Abtei geschenkt hat.

Die Pfarrei St. Matthias war von ihrer Gründung an im Jahre 1803 sehr arm. Der Kapitalstock der Fabrik war im Jahre 1847 nur 10 248 Mk. und 1855 17 627 Mk. Im Jahre 1838 betrugen die Ein­nahmen der Fabrik 963, die Ausgaben 2379 Mark. Der Pfarrer Lönarz k| agt 1831, daß seine Kompetenz sich nur auf 744 Mk. erstrecke, und er