Die Pfarrei Euren. 75
Mann aus Medard, der als Küchenjunge in der Abtei gedient hatte, in den unberechtigten Verdacht kam, einen silbernen Löffel gestohlen zu haben und deswegen nach Wien auswandern mußte und dort sehr reich geworden war, vom Kaiser geadelt mit dem Namen Karl Eucharius Medardinus von Rothenfeld, in die Heimat im Alter zurückgekehrt, vermachte sein Vermögen dem Hospital, so daß sechs Freistellen für Arme gegründet werden konnten. 1 )
Das Siechenhaus Estrich oberhalb St. Matthias war schon 1284 vorhanden. 2 ) Ein Jahrhundert später wies das Kloster St. Matthias dem Hospitale ein£ ewige Schenkung von 10 Mit. Getreide zu. Es wurden mit ansteckender Krankheit Behaftete im Spital aufgenommen, die stets im Hospital bleiben mußten. Deswegen besaß das Hospital auch eine eigene Kapelle, in der Gottesdienst gehalten wurde. Die beiden Hospitäler gingen im Anfang des 19. Jahrhunderts an die Vereinigten Hospitien über.
Reihe der Pfarrer.
1803—09 der ehemalige Prior der Abtei Hubert Becker; 1809—24 Viktor Joseph Dewora, später Dompfarrer; 1824—27 Peter Joseph Schülzgen; 1827—30 Kaspar Gröning; 1830—47 Matthias Lönarz; 1847—55 Johann Peter Kordel; 1855—85 Jakob Kewenig, ging nach St. Gangolf über; 1885—1910 Hubert Stein; 1910—22 Jakob Treitz.
9. Die Pfarrei Euren.
Wie die in und um die Kirche von Euren und in den nahe gelegenen Häusern aufgefundenen römischen Überreste, Mosaikböden, Säulen usw. beweisen, stand in römischer Zeit vom 1. bis 5. Jahrhundert eine große und prachtvolle Villa in Euren. 3 ) Die jetzige Pfarrkirche ist der hl. Helena geweiht. Daß aber diese Heilige eine Kirche in Euren errichtet habe, ist unwahrscheinlich. Dagegen stand sicher im 7. Jahrhundert eine wenn auch nicht große Kirche in Euren, denn der Bischof Numerian (c. 644/76) würde in ihr bestattet. Das bezeugt eine Grabinschrift (In diesem Sarge sind die hl. Überreste des Numerian, des würdigen Bischofs der Trierer, gesammelt), welche in der von Erzbischof Udo 26. August 1075 geweihten Kirche sich befand 4 ), es sei denn, daß diese Grabinschrift von einer Übertragung der Gebeine von anders woher nach Euren zu verstehen ist. Diese Kirche (oratorium) weihte Udo zu Ehren der hl. Helena 6 ), wohl weil man glaubte, die Kaiserin habe zu Lebzeiten besondere Beziehungen zu Euren gehabt. •n Euren besaß der Dom im 11. Jahrhundert sechs Weinberge und J0 Morgen Land und eine Mühle. 6 ) Im Jahre 1300 verwüstete der Herzog Heinrich von Luxemburg im Kriege gegen Trier das Dorf Euren u nd zerstörte dabei wohl auch die Kirche. Am 11. August 1675 wurde
*) Trierische Heimatblätter Jhrg. 1922, S. 105. 2 ) MRR. 4. 1136. 3 ) Wilmowsky, Archäologische Funde in Euren im J. 1859, Trier 1874. ') Brower, 1. 356. B ) Ebd. 553. 6 ) MRUB. 2. S. 353.
