Die Pfarrei Mertesdorf. 91
Im Jahre 1769: Vikar in Mertesdorf ist der hochwürdige Herr Nikolaus Birresbom, der an Sonn- und Festtagen den Pfarrgottesdienst hält. Einen Schullehrer dingt man für die Winterzeit in Mertesdorf, der auch in den Jahren 1774 und 1778 seinen Dienst gut versieht. Im Jahre 1771 verordnet die Obrigkeit, daß man in Mertesdorf eine Frau von gutem Rufe und guten Sitten zur Hebamme bestellt.
Nach der Zerstörung der Pfarrkirche St. Michael im Jahre 1674 wurde der Gottesdienst für die ganze Pfarrei in Mertesdorf eine Zeit lang gehalten. Im Jahre 1725 schaffte man eine neue Glocke an. Im Jahre 1803 wurde Mertesdorf als Filiale der Pfarrei Ruwer zugeteilt. Der Kapitalstock der Fabrik betrug 1810 2529 Frs., 1824 2395 Frs.
Die Bischöfliche Visitation der Pfarrei Ruwer, zu der Mertesdorf damals gehörte, vom Jahre 1805 stellte fest 1 ): Die Fabrik von Mertesdorf besitzt Liegenschaften, verpachtet zu 135 Franken, ein Kapital von 900 Reichstalern, Zins von 28 Krug Öl, einige Pfund Wachs, 3 Scheffel Roggen. Die Kapelle ist in gutem Stande, hat ein Ziborium von Silber, eine Monstranz mit silberner Lunula und Verzierungen, einen Kelch von Zinn, hinreichend Paramente und besser als Ruwer. ,
Endlich wurde Mertesdorf im Jahre 1849 am 25. August zur selbstständigen Pfarrei erhoben und 1850 ein neues Pfarrhaus gebaut und 1855/6 eine neue Kirche. Bei der Trennung Mertesdorfs von Ruwer wurde von keiner Seite eine Entschädigung verlangt, und Mertesdorf war in der glücklichen Lage, einen Wald abtreiben zu können, sodaß es die nötigen Geldmittel für die Einrichtung der Pfarrei besaß. Da die Pfarrei zunächst ohne Staatsgehalt war, zahlte die Gemeinde dem Pfarrer einen Zuschuß von 1200 Mark. Jedoch im Jahre 1892 wurde der Pfarrei das Staatsgehalt von 400 Mark zugebilligt. Die Kirchenfabrik ist bis jetzt noch arm geblieben. Der Kapitalstock betrug 1857 857 Mark und auch 1887 noch nur 4191 Mark. Die Kompetenz des Pfarrers stand 1857 auf 1014 Mk. und 1887 auf 1065 Mark. Im Kulturkampfe wurde dem Pfarrer das Gehalt gesperrt, sodaß er sich von der Bischöflichen Behörde die Gunst erbitten mußte, von der Applikationspflicht für die Pfarrei an Sonn- und Festtagen befreit zu sein. Ein Kirchhof wurde 1859 errichtet. Ein Kreuzweg wurde 1876 in der Kirche angebracht und diese 1890 dekoriert. Eine Mission wurde 1899 gehalten.
Zur Pfarrei Mertesdorf gehört das bedeutende Weingut Oriin- haus. In der Urkunde des Kaisers Otto I. vom 7. Januar 966 wird es als villa in suburbio Trevirorum ad vallas im Besitze von St. Maximin angeführt und als Geschenk des Merowingerkönigs Dagobert I. bezeichnet. 2 ) Nach dem Visitationsberichte von 1778 bestand auf Grünhaus eine öffentliche Kapelle.
Reihe der Pfarrer.
1852—1857 Heinrich Gotthard; 1858—1859 Peter Kalkofen; 1859 bis 1889 Peter Bollig; 1889—1921 Michael Alt; 1923 Jakob Weiler.
*) TA. 26/7. 189. 3 ) MRUB. 1. 224, vgl. Ebd. 3.
