92 Die Plarrei Morscheid.
13. Die Pfarrei Morscheid.
Güter zu Morscheid (Mureid, Murscheid, Mortseit) x ) bezeichnet Erzbischof Poppo (f 1047) als solche, welche er von seiner Schenkung an die Liebfrauenkirche zu Trier ausgenommen wissen wollte.-) Im Jahre 1098 bestätigt König Heinrich IV. auf Bitten des Erzbischofs Egilbert dem Simeonsstifte Besitzungen in Morscheid. 3 ) In der um 1330 verfaßten Taxa generalis (B. 1. S. 132) wird Morscheid aufgeführt und mit einer Steuer von 18 Schillingen belegt'), woraus hervorgeht, daß es wenigstens Pfarrvikarie, wenn nicht Pfarrei war. Im Jahre 1569 wird es als Pfarrei angeführt und als Kollator der Freiherr von Schmid- burg angegeben und als Pfarrer Heinrich Bastoniensis. 5 ) Um 1220 bezieht der Erzbischof aus Morscheid ein halbes Malter Hafer.") Die Pfarrei gehörte zum Dekanate Wadrill, Patron war der Freiherr von Schmidburg. Fritsche von Schmidburg verpfändete 1463 seinen Zehnten von Morscheid für 600 Gulden an das Simeonsstift. 7 ) Der Patron besaß die Lonzenburg, früher zur Pfarrei Morscheid, jetzt zur Pfarrei Pluwig gehörend. Schenk von Schmidburg tauschte 1668 die Freiheit der Lonzenburg vom Zehnten ein gegen den kleinen Zehnten, in der Pfarrei. Gleichzeitig wurde Lonzenburg durch die Behörde von Morscheid getrennt, sodaß dieses nunmehr keine Filiale mehr besaß. Der Patron bezog zwei Drittel des großen Zehnten, der Pfarrer ein Drittel und seit 1668 den ganzen kleinen Zehnten.
Der Turm der Pfarrkirche wurde 1739 als baufällig befunden, aber erst 1761 ausgebessert. Im Jahre 1768 umgebaut, mußte die Pfarrkirche 1864 bis 1866 neu gebaut werden und wurde 1884 konsekriert. Der alte Turm blieb bestehen mit seinen beiden Glocken, die 1684/5 gegossen wurden.
Die Visitationsakten von 1715 besagen: 105 Kommunikanten. Die Kirche hat 24 „Amphoren" öl, genügend für das ewige Licht, drei konsekrierte Altäre. Patron ist der Herr von Schmidburg, gegenwärtig der Domdechant als Herr von Morscheid. Eine kupferne Monstranz, das Ziborium fehlt, statt dessen dient eine kleine silberne Pyxis, ein Kelch mit kupfervergoldeter Kuppe, zwei schöne neue Kasein in verschiedener Farbe, zwei alte abgenutzte, zinnerne Ölgefäße. Die Fabrik hat ein Kapital von 300 Reichstalern. Die Baupflicht für das Schiff der Kirche obliegt dem Zehntherrn, für Turm, Sakristei und Kirchhof den Pfarrgenossen, für das Chor dem Pfarrer. Die Kompetenz des Pfarrers besteht in einem Drittel des Zehnten, 8 Mltr. 6 Vierzel Korn, 4 Malter Hafer, dem kleinen Zehnten. Die Pfarrgenossen liefern dem Pfarrer VA Malter Korn, 4 Malter Hafer und 5 Wagen Heu. Aus den 25 Jahrgedächtnissen bezieht der Pfarrer 5 Kopfstücke und den Ertrag von bestimmten Wiesen und Gärten. Der Pfarrer klagt, daß kein Schulhaus vorhanden sei, und fordert für den Lehrer fünf Malter Frucht und ein Kopfstück vierteljährlich von jedem Kinde.
*) MRUB. 1. 329, 397; 2. S. 404. s ) Ebd. 1. 325. 3 ) Ebd. 1. 397. 4 ) TA. 8. 29. ") Ebd. 9. 60. ") MRUB. 2. S. 404. 7 ) Goerz S. 215.
