Gottesdienst und Pfarrvisitationen zu Ruwer. 95
vikar besorgt wurde. Sie war wohl keine eigentliche Pfarrkirche, sondern nur Kurat-Vikarie. Aber im Visitationsprotokolle von 1569 wurde die Pfarrei Ruwer angeführt neben der Pauliner Pfarrei St. Walburgis, und beide hatten denselben Dekan des Stiftes Paulin zum Pfarrer. Aber in dem Visitationsprotokoll von 1609 erscheint Ruwer nicht als Pfarrei, und 1641 wird es mit der Walbtirgispfarrei visitiert, ein Beweis dafür, daß es nicht als eigentliche Pfarrei betrachtet wurde. Der diensttuende Stiftsvikar mußte sich als Entgelt für seine Arbeit mit seinem Vikarsgehalt und einer geringen Summe Geldes nebst einem Weinberge in Eitelsbach begnügen, während der Dechant den ganzen Zehnten bezog. Deshalb waren die Leistungen des Vikars für die Seelsorge stets gering. Wenigstens seit 1609 hielt er bloß Sonntags, nicht Festtags Gottesdienst und applizierte die Messe nicht für die Pfarrei. Als nun die Pfarrgenossen vor 1759 die schwere Last getragen hatten, eine neue Kirche zu bauen, forderten sie bei der Visitation 1759, daß der volle Pfarrgottesdienst gehalten würde, d. h. Applikation der Messe, Gottesdienst auch an Festtagen, Vesper an den Sonntagen, Vesper an der Vigil von St. Johann. Aber weil sie kein Pfarrhaus und keinen Garten und kein Wittum haben, wollen sie die Sache der Behörde überlassen. Noch zweimal kommt diese Forderung bei der Visitation wieder, da endlich im Jahre 1766 bestimmt die Behörde, daß der Pfarrer den ganzen Pfarrgottesdienst zu halten hat, nachdem sie vorher Ruwer als Pfarrei anerkannt hat. Aber noch 1769 ist die Verordnung nicht durchgeführt, scheint aber dann durchgeführt worden zu sein, weil die Klage bei den weiteren Visitationen nicht wiederkehrt. Da der Pfarrer nicht in Ruwer residierte, war auch kein Pfarrhaus vorhanden. Die Pfarrgenossen bauten 1754 eine neue Kirche.
Das Ergebnis der Pfarr Visitationen ist folgendes J ): Im Jahre 1569 wird vermerkt: Ruwer, Pfarrer Herr Johann Reckenschenkel, Dechant von St. Paulin. Die Pfarrei ist einverleibt der Dechanei St. Paulin, hat 9 Malter Getreide und 4 Ohm Wein.
Im Jahre 1609: 70 Kommunikanten, Patron der hl. Klemens, geleitet vom Kaplan Bernhard Fink, einem Trierer, Altarist von St. Paulin, geprüft und zur Seelsorge zugelassen, 2 Altäre, 2 Kelche. Der Herr Dechant bezieht den ganzen Zehnten, 7 Malter (Frucht) und an Wein 1 Fuder. Der Kaplan bezieht vom Herrn Dechant 18 Tlr. und hat einen Weinberg in Eitelsbach. Der Dechant hat vom Heu 10 Tlr. Gottesdienst wird nur an Sonntagen gehalten. Der Dechant besorgt die innere Ausstattung der Kirche, hat die Baulast des Chores, die Gemeinde die von Turm und Schiff. Die Fabrik hat 16 Tlr. (Einkünfte) und genügend Öl. Es wurde aufgetragen, daß sie die Eitelsbacher nicht zum Begräbnis zulassen sollten, da sie nach St. Nikolaus in Pfalzel gehören. Das Missale muß der Dechant besorgen, dessen sie schon bedürfen. Der Kirchhof ist nicht verschlossen, was innerhalb drei Monaten verbessert werden muß. Der Kaplan ist ziemlich nach-
l ) TA. 9. 54, 17. 95.
