Pfarrei Ruwer im 19. Jahrhundert. 97

und Send darüber berichtet wird. Im Jahre 1771: Kupfervergoldete Monstrtnz, in der die hl. Hostie öfter wegen Feuchtigkeit erneuert werden muß. Die Kirchenrechnungen endlich besser. Im Jahre 1774: Pfarrer Georg Jakob Freund. Die Bruderschaft des hl. Hubertus und Sebastian hat keine Stiftungen. Lehrer ist der Frühinesser Nikolaus Birresborn, der nach Mitteilung von Pfarrer und Sendschöffen sein Amt gut versieht, der aber klagt, daß einzelne Fltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Kommunikanten etwa 400. Die Fabrik besitzt 1125 Rtlr. Kapital und dazu 24 Rtlr. Einkünfte. Der Ertrag des Pfarrers aus den Jahrgedächtnissen ist 16 Rtlr., außerdem zahlt der Dechant dem Harrer 16 Rtlr. und überläßt ihm die Stolgebühren und die Vikarie bei Paulin. Im Jahre 1778: Vikar Theodor Lichter, approbiert und gu­ten Beispiels. Zehntherren sind der Dechant von Paulin und die Abtei Maximin.

Ruwer, das bis dahin keine Filiale besessen hatte, wurde 1803 Eitelsbach, früher von St. Nikolaus zu Pfalzel abhängig, und Mertes- dorf, Filiale von St. Michael, zugeteilt. Die im Jahre 1754 erbaute neue Pfarrkirche war nur für die frühere kleine Pfarrei Ruwer berechnet und deshalb für die neue Pfarrei viel zu klein. Daher wurde gleich von Anfang des Bestehens der neuen Pfarrei Ruwer geklagt, aber es dauerte lange, bis im J. 1869 der Bau der neuen großartigen Pfarrkirche, dieses Denkmals des Glaubens und des lebendigen kirchlichen Sinnes der Pfarrei Ruwer", begonnen wurde. In diesem Jahre waren 21 024 Mk. u. a. durch eine Hauskollekte in der Rheinprovinz zusam­mengebracht. Eine Kirchenkollekte in der Diözese Trier war von der Behörde schon 1861 versprochen, wurde aber erst 1872 nach Vollen­dung des Baues ausgeführt und brachte 6750 Mark ein. Aus der alten Kirche wurden verschiedene schöne kleine Steinfiguren an einem Hause vor der neuen Kirche angebracht. Der Kapitalstock betrug 1810 4383 Francs, 1824 nur 3533 Francs, 1853 5277 Mk., 1886 8277 Mk. Ruwer hatte 1824 33 Stiftungen. Die Kompetenz des Pfar­rers wurde 1805 auf 800 Frs. angegeben, 1810 jedoch von der Gemeinde ein Zusatzgehalt von 500 Frs. bewilligt, 1853 stand die Kompetenz auf 1316 Mk., 1875 auf 1614, 1886 auf 1813 Mk., 1902 auf 1620 Mk. Der Pfarrer besaß aber einen Weinberg von 3 Morgen in Eitelsbach. Zur Zeit des Sperrgesetzes von 1874 mußte der Pfarrer, in Not geraten, die Behörde um Ermäßigung der Applikationspflicht bitten, kann aber bald mitteilen, daß die Pfarrgenossen das gesperrte Gehalt ersetzen. Stol­gebühren werden 1824 angegeben für Begräbnis eines Erwachsenen 2 Rtlr. 27 Alb., für ein Kind 18 Alb., für Mertesdorf 3 Rtlr. bezw. 24 Alb.

Ein neuer Kirchhof wurde angelegt 1861 und 1885 und 1893 ver­größert, nachdem der alte Kirchhof schon 1837 vergrößert worden war. Bezüglich des alten Kirchhofes war nun das Eigentumsrecht, wie bei alten Kirchhöfen überhaupt, die um die Kirche liegen, strittig. Als nun 1904 die Zivilgemeinde einen Weg über den alten Kirchhof bedurfte, hatten die Organe der Zivilgemeinde die Einsicht, diesen Weg von der Pfarrgemeinde zu pachten, um dem Streit über das Eigentumsrecht aus­Marx, Qeschichte der Pfarreien. ?. Band. 7