Trierweiler im 19. Jahrhundert. 101
dann 1789 ein Pfarrhaus gebaut. Im Jahre 1776 ist „vor kurzem" (nämlich 1772) von den Zehntherren eine neue Kirche gebaut, und ist die Zahl der Kommunikanten 150.
Im Jahre 1803 wurde die Pfarrei Trierweiler neu umschrieben. Es kamen zu ihr Udelfangen, Sirzenich, Kerscht, Herrestaler Höfe und Neuhaus. Es wurde jedoch 1835 Kerscht wieder abgetrennt und Wintersdorf zugeschrieben. Ebenso wurde 1906 Neuhaus abgetrennt. Auch Herrestal wünschte die Abtrennung, konnte es aber nicht erreichen. Sirzenich wollte 1867 eigene Pfarrei werden, wie es vor 1800 gewesen sei, jedoch vergebens.
Der Bischof Mannay hielt 1805 eine Visitation der Pfarrei im Kanton Pfalzel: Die Katechese befriedigte nur wenig, die Pfarrei zählt 720 I. in wohner, 590 Kommunikanten. Dem Pfarrer waren 900 Franken versprochen, er hatte aber bis dahin nicht einmal die Hälfte erhalten. Die Linkünfte aus dem Wittum konnten zu 80 Franken geschätzt werden. Die Fabrik hatte aus Kapitalien und Ländereien einen jährlichen Zins von 270 Rtlr. Die Kirche befindet sich in einem verfallenen Zustande, 2 Altäre, Paramente sind von dem jetzigen Pfarrer hinreichend angeschafft worden. Die Schule wurde nur im Winter besucht.
Das religiöse und sittliche Leben der Pfarrkinder gab keinen Anlaß zu Klagen; doch besuchen die Einwohner aus der Filiale Sirzenich nicht die Pfarrkirche, weil sie einen ständigen Vikar am Orte haben, auch wollen sie den Pfarrer nicht anerkennen; die Sirzenicher Sendschöffen waren auch nicht zur Konferenz mit dem Bischef erschienen. Außerdem waren sie bei der Präfektur (Regierung) eingekommen, vom Beitrag zum Unterhalt des Pfarrers von Trierweiler entbunden zu werden, waren aber abgewiesen worden. Prozessionen früher und jetzt: Freitag in der ersten Fastenwoche, St. Markus, den drei ersten Tagen und Freitag in der Bittwoche, Christi Himmelfahrt, Freitag nach Pfingsten und 1. Juni. Stolgebühren für Taufe 6 Alb., für Trauung ein neuer französischer Reichstaler mit einem Taschentuch oder 42 Alb., Stipendium 27 Alb., für Begräbnis eines Erwachsenen mit Vigil und zwei Lesemessen 2 Rtlr. 30 Alb., eines Kindes 36 Albus.
Die Stolgebühren betragen im Jahre 1815: Für Hochzeit mit Amt ein Taschentuch und 3 Rtlr., für Begräbnis eines Erwachsenen mit zwei Messen 2 Rtlr. und 24 Albus, für Begräbnis eines Kindes ohne Messe 36 Albus, für Taufe 6, Aussegnung 3 Albus. Der jährliche Ertrag der Stolgebühren belief sich auf 40 Rtlr. Das Zusatzgehalt für den Pfarrer bestand 1806 in 16'A Malter Korn, 1835 wurde es erhöht auf 15 Malter Korn, 3 Malter Hafer, 25 Zentner Stroh, 4 Klafter Holz. D er Ertrag des Wittums wurde 1825 auf 194 Frs. geschätzt, 1848 aber °ur auf 157 Frs. Es bestand in 24 Morgen. Die Kompetenz des Pfarrers betrug 1835 1053 Mark, 1857 1374 Mark, 1871 2106 Mark, 1897 17 <9 Mark, 1902 2250 Mark. Die Kirchenfabrik besaß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur wenig Kapitalien, im Jahre 1857 nur 22 U Mark, 1871 aber schon 10 629 Mark und 1886 24 222 Mark. Im Jahre 1899 waren 165 Stiftungen vorhanden.
