104 Die Pfarrei Waltrach.
16. Die Pfarrei Waltrach.
Der Ort Waltrach dürfte keltischen oder römischen Ursprunges sein wegen der Endung des Wortes auf ach (B. 1 S. 57 f.). Der Ort mit Kirche gehörte frühzeitig dem Paulinsstifte, wurde ihm aber entzogen und von König Heinrich I. (919/35) ihm wieder zurückgegeben. Dann aber verlieh der Erzbischof Waltrach an Dienstleute. Im Jahre 981 bedauert der Erzbischof Egbert, daß er dem Paulinsstift „Waltrach mit der Kirche" nicht zurückgeben könne. 1 ) Aus dieser Urkunde dürfte sich ergeben, daß Waltrach schon 981 Pfarrei war, denn der Erzbischof nennt die Kirche Ecclesia, so wie auch Wadrill, das damals sicher Pfarrei war, während er die Kirche von Weiler als Capeila bezeichnet. Dann scheint die Kirche in den Besitz des Domes übergegangen zu sein. Denn der Dompropst war Patron der Kirche unter Erzbischof Theoderich II. (1212/42). Dieser Erzbischof schenkte die Kirche an das Refektorium des Stiftes Paulin, was 1255 der Archidiakon Simon bestätigte. 2 ) In Waltrach besaß der Dom 6 Weinberge, 2 Morgen Land und eine Wiese im 11. Jahrhundert. 3 ) Um 1220 hatte der Erzbischof dort einen Hof, zu dem 19i/>j Bauerngüter, verpachtetes Land und 19 Weinberge 4 ) gehörten.
Die dem hl. Laurentius geweihte Kirche war schon im Jahre 1692 baufällig, und die Zehntherren wurden zum Neubau angehalten, aber erst 1754/6 kamen sie ihrer Pflicht nach, indem sie eine solide Kirche erbauten, die erst 1868 repariert werden mußte. Das alte Geläute ist nicht mehr vorhanden, da die Franzosen 1684 die drei größten Glocken weggenommen haben. Aber noch im selben Jahre wurden zwei neue Glocken zu 400 und 300 Pfd. angeschafft.
Außer dem Weinstock pflegten die Bewohner von Waltrach auch besonders den Nußbaum. Die Kirche besaß deren so viele, daß sie nicht nur für sich genügend Öl hatte, sondern auch benachbarten Kirchen davon abgeben konnte, so der Kirche von Osburg. Aus dieser Gefälligkeit machten die Osburger aber eine Schuldigkeit und strengten im Anfang des 18. Jahrhunderts einen Prozeß an, der sich lange hinzog, und im Jahre 1722 durch Schiedsspruch beendet wurde dahin, daß Waltrach 1723 und 1724 je zehn Maß Öl an Osburg liefern mußte und in den folgenden Jahren je 2 Maß. 6 )
Nachdem Erzbischof Theoderich II. die Pfarrei dem Refektorium des Paulinsstiftes einverleibt hatte, bezog dieses Stift auch den großen und kleinen Zehnten der Pfarrei, und der Dechant des Stiftes war Kol- lator der Pfarrei bis Ende des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1785 aber waren mehrere Zehntberechtigte in der Pf?rrei, so das Paulinsstift, das Kloster Irminen, das zu Kasel starke Besitzungen hatte, das Bantus- seminar, der Graf Kesselstatt, der Erzbischof und das Stift Pfalzel.
*) MRUB. 1. 255. 2 ) Ebd. 3. 1292. Vgl. MRR. 3. 1198. 3 ) MRUB. 2. S. 354, TA. 8. 85. ') Ebd. 2. S. 404. 6 ) Lagerbuch von 1785 im Pfarrarchiv S. 114.
