Visitationsprotokolle für Waltrach. 107
Wittum, drei Wagen Heu und der kleine Zehnte, den doch der Patron vor 20 Jahren an sich gezogen hat.
Die Visitationsverordnungen fordern: Besserung der Sakristei, des Beinhauses und Abschaffung des Mahles für die Sendschöffen, gewähren diesen aber ein Maß Wein und Brot für 1 Albus, lassen dem Pfarrer den kleinen Zehnten und das Bürgerrecht in der Gemeinde, den Schöffen die alten Rechte den Neuvermählten gegenüber zukommen. Eine Frau, welche die Schöffen schlimm beschimpft hat, wird verurteilt zu einem Pfund Wachs und Abbitte vor Pfarrer und Schöffen.
Im Jahre 1721 wird gefordert, daß das Beinhaus in guten Stand gesetzt, für den Pfarrer '/> Vierzel Getreide auf das Gemeindehaus von jeder Ehe gebracht werde, damit der Schullehrer es nicht zu sammeln brauche, und ein neues silbernes Ziborium unter Strafe von drei Goldgulden angeschafft, das Pfarrhausdach repariert werde. Im Jahre 1739 wird der Besuch der Christenlehre gelobt. Es wird die Predigt gefordert vom Pfarrer wenigstens jeden Sonn- oder Festtag, wenigstens einige Male im Monat Besuch der Schule zur Aufsicht, besserer Besuch der Pfarrkirche, abergläubische Haltung der Samstage und Donnerfeste verboten, aufgefordert, die in miserablem Zustande sich befindende Kirche zu reparieren. Im Jahre 1780 wird den Zehntherren aufgetragen, die Kirche weißen zu lassen, Anlage eines Firmungsregisters wird gefordert, sowie besserer Abschluß des Kirchhofes, das Kartenspiel an Sonn- und Festtagen verboten.
Im Jahre 1785 wird das Weißen der Kirche wieder gefordert, sowie Sammlung der obrigkeitlichen Erlasse, eine neue Orgel, Beichtstuhl und Sakristeischrank, eine neue Pyxis und Sicherung der Kirchenkapitalien. Es wird verlangt die Anstellung eines treuen Kirchenrechners, bei der Kirchenrechnung dem Pfarrer zwei, den Schöffen je einen Gulden zugebilligt, eine Kirchenkiste mit drei Schlüsseln verlangt, die Schöffen sollen besser als bisher auf die Ungezogenheiten der Jugend in der Kirche acht haben.
Im Jahre 1725 wurde durch den Stiftsherrn Heinrich Ludwig Schmitz zu Paulin eine zwanzigtägige Adventsmesse gestiftet, 1738 eine Messe mit sakramentalischem Segen auf jeden Donnerstag des Jahres; Leonard Scholtes von Waltrach stiftete 1758 ein Jahrgedächtnis und schenkte 50 Reichstaler für einen Altar der seligsten Jungfrau. An Jahrgedächtnissen waren 1785 gestiftet in der Pfarrkirche 49, in der Filialkirche 37. Jeden Samstag war Messe in Kasel. Im Jahre 1785 hatte die Pfarrkirche zu Waltrach 1166 Reichstaler Kapital und bezog von Kasel 12 Maß Öl, die Filialkirche zu Kasel 3229 Reichstaler Kapital. Die Verpflichtung der Pfarrgenossen war, viermal des Jahres zum Opfer zu gehen, Pfarrhaus, Schulhaus, Sakristei und Glocken zu unterhalten und dem Pfarrer zu Ostern zwei Beichteier von jeder Person und e in Taufei von jeder Haushaltung zu liefern. An Prozessionen waren in Geltung am Markustage, am Bannfreitag nach den sieben Kirchen Triers, an den drei Rogationstagen nach Kasel, wo die Stationsmesse gelesen wird, auf Pfingsten eine Prozession nach St. Matthias, am
