108 Die Filiale Kasel. Neue Umschreibung der Pfarrei.
Fronleichnamstage im Dorf mit vier Stationen. Ein neues Pfarrhaus wurde 1783 gebaut. Die Marianische Sodalität war vor 1790 vorhanden.
In der Filiale Kasel besaß das Kloster Irminen schon 973 Besitzungen 1 ), im Jahre 1101 schenkte Erzbischof Egilbert diesem Kloster einen Wald bei Kasel 2 ), im Jahre 1116 besaß Irminen Zehnten von „Herrenland" in dem „Dörfchen" Kasel 3 ), im Jahre 1220 hatte es die Gerichtsbarkeit in Kasel in Verpfändung"), im Jahre 1227 kommt ein Hofmann des Klosters zu Kasel vor. 0 )
Von der Filialkirche Kasel ist schon im Jahre 1256 die Rede. Die Filialisten werden verpflichtet, an die Pfarrkirche jährlich 7 X A Maß Öl zu entrichten, damit vor dem Kruzifixe in der Pfarrkirche alle Nacht eine Amr.el brennen könne, daß sie an den drei Hauptfesten des Jahres dem Gottesdienst in der Pfarrkirche beiwohnen und ihre Kinder in der Pfarrkirche taufen lassen müssen. 6 ) Aus dieser Urkunde ergibt sich, daß die Filiale Sonn- und Feiertags Gottesdienst hatte. Das Bestreben der Finalisten, sich von der Pfarrkirche zu trennen, artete soweit aus, daß ihnen 1715 verboten werden mußte, ihre Kinder zu beerdigen, ohne den Pfarrer dabei zu rufen. Im Jahre 1708 stürzte die Kapelle ein, und der Kellner von Irminen, Magnerich Dindorf, bot sich an, die Kapelle besser wieder aufzubauen, wenn die Filialisten Hand- und Spanndienste leisten wollten. Im Jahre 1739 wird die Kapelle als neuerbaut bezeichnet, aber im Jahre 1780 ist sie so schlecht, daß sie interdiziert und im folgenden Jahre neu gebaut werden muß. Im Jahre 1745 wendete der genannte Magnerich Dindorf eine sehr bedeutende Summe der Kapelle zu, wofür im Jahr 35 Jahrgedächtnisse gehalten wurden, außerdem alle Dienstage im Jahre eine Messe zu lesen war und auch an allen Sonn- und Feiertagen die Frühmesse. Im Jahre 1803 wurde von der Pfarrei der hl. Kreuz-Altar aus der Dominikanerkirche zu Trier übernommen.
Die Filialkapelle von Kasel hatte 1765 zum ersten Patron den hl. Nikolaus, zum zweiten die Apostel Simon und Juda, deren Fest als Kirchweih gilt, die aber am Sonntage vor dem Feste gefeiert wird. Die Kapelle besitzt das Allerheiligste, zwei Altäre, eine Wochenmesse, 12 Stiftungen und 18 Reichstaler Einkünfte. Der Pfarrer bezieht von einer Messe in Kasel nur 12 Albus und fordert 15. Eine gestiftete Messe wird in Kasel gefeiert an den Festen des hl. Nikolaus, der beiden genannten Apostel und des hl. Markus, an denen die ganze Pfarrei beiwohnt.
Die Pfarrei blieb 1803 bei der neuen Umschreibung der Pfarreien der Diözese in ihrem alten Stande, nur die Filiale Kasel rechnete auch weiterhin zu ihr. Aber als im Jahre 1905 die neue Pfarrkirche gebaut wurde, wollten die Kaseler von der Beitragspflicht entlastet sein, und zu diesem Zwecke forderten sie, daß Kasel zur Pfarrei
') MRUB. 1. 241. 2 ) Ebd. 401, 639. ") Ebd. 434.
") Ebd. 3. 146, 159, 175. 5 ) Ebd. 309.
6 ) Lagerbuch von 1785 S. 38. MRUB. 3. 1371.
