Die Pfarrei im 19. Jahrhundert. 109

erhoben würde, und wandten sich nicht bloß an die kirchliche, sondern auch an die weltliche Obrigkeit. Aber der Regierungspräsident mußte sie belehren, daß sie in diesem Falle unverhältnismäßig mehr Opfer bringen als für den Kirchenbau, bis zu 70 000 Mark, und den Unter­halt des Pfarrers leisten müßten. So unterblieb die Sache, und die neue Kirche wurde 1905 gebaut.

Die Ffarrei wurde 1805 durch Bischof Mannay visitiert: *) Kate­chese im allgemeinen befriedigend. Die Ffarrei mit der Filiale Kasel hat 550 Kommunikanten. Sein Einkommen erhält der Pfarrer aus den von ihm bebauten Wittumsgütern, Feld, Wiesen und Weinbergen, die Ein­wohner liefern ungefähr 8 Malter Korn. Die Kirche ist ziemlich schön und in gutem Stande, auch ziemlich mit Paramenten versehen, an Leinen großer Mangel. Die Monstranz ist nicht von Silber, aber ver­goldet, Ziborium von Silber, 2 Kelche von Silber, vergoldet. Der Schulbesuch hätte besser sein können. Das sittliche Leben ist ohne besondere Klage, nur in Kasel fand sich ein Haus in verdächtigem Rufe, und einzelne frönten dem Kartenspiele so sehr, daß sie den sonn­täglichen Gottesdienst versäumten, andere besuchten kaum außer der österlichen Zeit die Pfarrkirche. Die Bischöfliche Behörde hatte Kasel 1804 eine Frühmesse bewilligt, jedoch unter der Bedingung, daß die Filialisten an Sonn- und Festtagen den Pfarrgottesdienst in Waltrach besuchten und die Jugend an der Pfarrkatechese stets pflichtmäßig teil­nehme. S t o 1 g e b ü h r e n für Begräbnis eines Erwachsenen mit vier Messen 8,61 Franken, eines Kindes 0,54, Kopulation mit einer Messe 2,18, Taufe und Aussegnung 0,18 Franken.

Im Jahre 1854 wurde die alte Kirche renoviert und im vorher­gehenden Jahre die Kapelle in Kasel restauriert. Die Pfarrkirche er­hielt 1882 einen Kreuzweg. Eine neue Glocke wurde 1857 beschafft.

Die Pfarrstelle war gut dotiert, was sich schon daraus ergibt, daß 1839, als eine Vakanz bevorzustehen schien, nicht weniger als sechs Geistliche auf die Stelle sich meldeten. Das Zusatzgehalt, welches die Gemeinde zu zahlen hat, wurde 18<0 auf bloß 270 Mark bestimmt, aber das Pfarrwittum war aus früherer Zeit sehr beträchtlich. Es wird 1870 auf 70 Morgen angegeben, 5 Morgen Weinberg, 10 Morgen W'iesen, 13 Morgen Weide und 42 Morgen Ackerland. Manche Par­zellen waren weit entlegen und ertraglos. Die Kompetenz des Pfarrers wurde 1860 bloß auf 1329 Mark angegeben. Im Jahre 1872 erntete der Pfarrer acht Fuder Wein. Ein neuer Kirchhof wurde 1871 durch die Zivilgemeinde angelegt. Im Jahre 1872 baute der Pfarrer eine ziemlich große Kapelle neben dem Kirchhof auf eigene Kosten. Eine Mission wurde 1896 in der Pfarrei gehalten.

Von 1803 bis 1840 war Pfarrer von Waltrach Christoph Klietsch. Er führte die Verwaltung des Kirchenvermögens in höchst selbstän­diger Weise, wie wenn er nach Belieben darin schalten und walten könne, dem Kirchenrechner stellte er keine Quittung über bezahlte Filarien aus und meinte, es genüge, wenn er dieselbe in seinem Jur-

*) TA. 26/7. 202.