116 Dekanat Konz, Allgemeines.

hl. Sakramente, eigenes Begräbnis, eigenen Gottesdienst, eigene Syno­dalen. Dabei entbehren sie aber des Hauptmomentes zur Konstituie­rung des Charakters einer unabhängigen Pfarrkirche, nämlich der Frei­heit in der Verwaltung ihrer Temporalien wie Spiritualien, welche ihnen von der Bischöflichen Behörde sowohl, wie von der eigenen Haupt­kirche, selbst allen Reklamationen und Appellationen zum Trotz, ver­weigert.werden. Als typischer Ausdruck ihrer Halbpfärrigkeit gilt die Heranziehung derselben nur zur Hälfte des Kathedratikums. Das alte Dekanat Piesport beherbergte unter seinen 40 Pfarreien deren 14 in sei­nem Gremium. 1 )

Das TA. 14, 53 charakterisiert diefreien" Kapellen näherhin folgendermaßen:Die capella libera ist ein Seelsorgsbezirk in terri- torio nullius parochiae. Dieses hatte für das Volk zur Folge, daß es nicht auf die Rechte einer kanonischen Pfarrei, z. B. vollen feierlichen Senntagsdienst, applicatio pro parochia etc., Anspruch hatte, für den Seelsorger, daß er mit allen Konsequenzen des gemeinen Rechtes in der Klasse der Hülfspriester, nicht der parochi oder vicarii bei einer inkorporierten Pfarrei rangierte. Diese capella libera ist rechtlich mit der Pfarrvikarie zu vergleichen, wie sie in der modernen Konkordats­diözese in einzelnen Fällen in territorio nullius parochiae errichtet wurden. Ausgangs des 18. Jahrhunderts suchte man die Rechtslinie zwischen capella libera und parochia mehr und mehr zu verwischen." Das alte Dekanat Piesport wies deren fünf, das alte Dekanat Bitburg- Kyllburg deren drei auf. 2 )

Staunen erweckt auch der Anblick der Dekanatssitze, unter welchen unsere jetzigen Pfarreien in alter Zeit die Jahrhunderte hindurch ge­standen haben. Es gehörten nämlich die Pfarreien Konz, Krettnach, Hamm, Lampaden, Oberemmel, Pellingen in das alte Dekanat Merzig, die Pfarreien Langsur, Liersberg, Mesenich in das alte Dekanat Bit­burg, die Pfarrei Igel und die Vikarie Merzlich-Karthaus in das alte B.urdekanat, die Pfarrei Wasserliesch in das alte Dekanat Remich am linken Ufer der Obermosel, die Pfarrei Konen in das alte Dekanat Perl am rechten Ufer der Obermosel, die Pfarrei Oberbillig in das alte Dekanat Mersch nördlich der Stadt Luxemburg, die Pfarreien Pluwig und Schöndorf in das Dekanat WadriH. Währenddessen war aber die Stabilität der Dekanatszugehörigkeit nicht gerade ganz unerschüt­terlich. Zeugnis dafür legen ab die Pfarreien Liersberg, Igel, Konen, Pluwig. Pfarrei Liersberg und Igel sollten nämlich, als Pfarreien luxemburgischen Landesterritoriums, dem .Landkapitel Bitburg zu­stehen. Dennoch laufen sie die meiste Zeit tatsächlich unter dem Titel des Burdekanates mit. 3 ) Im Jahre 1756 aber verfügt der visitierende Burdekanats-Dechant an Ort und Stelle, daß die Pfarrei Liersberg, weii zu keinem Dekanate gehörend (!), in Zukunft für immer dem Deka­nate Bitburg zugeteilt sein soll". Pfarrei Igel wird im Jahre 1586

*) TA. 1. 136.

2 ) TA. 8, 11; Heydinger, Archidiaconatus in Longuiono, 314, ff.

a ) Neiler, Opusc. de burdecanatu III. 1. S. 22 und 69.