124 Hamm, Pfarrkirche.
1 Bürgerlos Holz, welches der Ffarrer aber auf seine Kosten aus dem Walde muß abfahren lassen; als Staatsgehalt (statt der 500 Franken der französischen Regierung) 131 Tlr. 7 Sgr. 6 Pfg.; als Ertrag aus den Meßstiftungen 16 Tlr. 20 Sgr. 10 Ffg. (darunter waren 55 Applikationen ä 6 Sgr. = 11 Tlr.) als Ertrag aus dem Herz-Jesu-Bruderschafts- stiftungsfonds 6 Tlr. 28 Sgr. 3 Pfg. (dafür muß der Pfarrer aber 6 sacra, am Bruderschaftsfeste Kochamt halten und die 4 aushelfenden fremden Priester beköstigen); als Stolgebühr bei einer Taufe nichts, bei einer Aussegnung 4V 2 Sgr., bei einer Trauung mit den drei Proklamationen 1 Tlr. 6 Sgr., und ein Taschentuch oder 9 Sgr., beim Begräbnis eines Kindes 9 Sgr., beim Begräbnis eines Erwachsenen mit zwei Seelenämtern 1 Tlr. 6 Sgr.; endlich als Ertrag des Vcrlesens der Totenliste 6 Sgr. 1 ) In neuester Zeit, z. B. im Jahre 1873, begegnen wir folgender amtlicher Pfcrrgehaltsberechnung, welche ganz anders geartet ist: Festes Gehalt 120 Tlr., Geld 193 Tlr., aus Stiltungen 34 Tlr. 29 Sgr. 4 Hg., nicht fixierte Einnahmen 22 Tlr.; total 373 Tlr. 10 Sgr. 9 Pfg. 2 ) Die vom Jahre 1912 lautet ebenso einfach: Nutzung des Pfarrwittums, Staatsgehalt 393 Mk., Gemeindezulage 330 Mk., Entschädigung für entzogene Holznutzung 228 Mk., Ertrag aus Meßstiftungen insgesamt 215 Mk., Summa der Stolgebühren c. 12 Mk/ 1 )
Die Pfarrkirche hat seit langem zur himmlischen Hauptpatronin die allerseligste Jungfrau Maria im Geheimnis ihrer Visitation, zur Nebenpatrcnin die hl. Jungfrau und Martyrin Lucia. Zur Zeit galt letztere auch als Hauptpatronin, z. B. im Jahre 1659 und 1739. Vordem wurde die Mutter Gottes auch schlechthin als Patronin bezeichnet, z. B. im Jahre 1584. An der Stelle der jetzigen Kirche, die in einfachem Renaissance-Stil gebaut ist, stand vorher eine spätgotische Kirche, wie der Turm erkennen läßt. Die allererste Kirche wird in Filzen erbaut worden sein, weil dort die erste Seelsorgestation für die Klosteruntertanen der beiden Benediktinerabteien aus Trier wird errichtet worden sein. Die unmittelbare Vorgängerin der jetzigen Kirche scheint bereits im Jahre 1507 reparaturbedürftig gewesen zu sein. Solches ergibt sich aus der wertvollen Pergament-Originalurkunde der römischen Kardinäle, durch welche diese den frommen Besuchern der marianischen Kirche zu Hamm einen unvollkommenen Ablaß von 100 Tagen verleihen, so cft sie diese h irche an den Hauptfesten der Mutter Gottes und am Kirchweihfest andächtig besuchen und ein kleines Almosen der Kirche entrichten zu dem ausgesprochenen Zwecke, daß die Kirche „in ihrer Struktur und ihren Gebäuden repariert und erhalten wird"'). Wenn d^nn durch diesen Appell an die öffentliche Frömmigkeit und Wohltätigkeit eine Reparrtur bewirkt worden ist, so war sie nicht sehr nachhaltig; denn im Jahre 1584 wird die Kirche für baufällig erklärt.
Um die Zeit muß eine gründliche Wiederherstellung stattgefunden haben, da die Kirche im Jahre 1659 als gut im Bau bezeichnet wird. Dabei hat sie aber auch offenbar immer noch ein recht dürftiges Dasei« 1
') Pfarrarchiv. 2 ) AGV. 3 ) Pfarrarchiv. ") Ebd.
