Hamm, Pfarrkirche, Kirchen-Inventur und Kirchen-Ländereien. 125
gefristet; denn sie besaß nicht einmal eine Sakristei, nur ein Einkommen von 2 Rtlr., 4 Maß Öl und etwas Flachs. Wegen ihrer Dürftigkeit jedenfalls war sie auch in zu beschränkter Ausdehnung hergestellt worden. Denn im Jahre 1739 ist sie so klein, daß das Chor außer dem Priester kaum 5 Personen, das Schiff nicht eirmal *•/• der Pfarrei zu fassen vermochte. Zugleich ist sie auch so ruinös, daß der Pfarrer, selbst bei Regenwetter, unter freiem Himmel Beicht hören muß! Daher dringt die Behörde mit aller Strenge auf endliche Herstellung eines würdigen Gotteshauses. Die Folge war, daß im Jahre 1743 mit einem völligen Umbau begonnen und im Jahre 1745 drmit geendigt wurde. 1 )
Zur Erbauung und Unterhaltung der Kirche, und zwar des Schiffes und Chores, waren als Dezimatoren der trierische Dom- dechant und der Ffarrer, zu der des Furmes, des Kirchhofes, der Sakristei und des Beinhauses auf dem Kirchhof die Parochianen verpflichtet. Allerdings wird auch wiederholt der Domdechant allein als der Bauherr bezeichnet!*)
In der früheren Kirche befanden sich drei Altäre, wovon aber einer nicht konsekriert war, zwei Glocken, zwei Kelche, ein eisernes, aber versilbertes Ziborium, eine eiserne, aber versilberte Monstranz, bleierne hl. Ölgefäße, nur eine rote und eine schwarze Priesterkasel. Der Pfarrer fühlt die Armut seiner Kirche und klagt, daß dieselbe leider keine Einkünfte habe. 3 ) Daher gebreche es ihr auch an einer ewigen Lampe, es fehle am Öle für die Lampe. Die Reihe von Nußbäumen, die im Jahre 1580 hinter der Kirche standen und jährlich „zu sturen zum ambt" „vff karfridag" 16 Albus einbrachten, werden wohl das einmalige „ambt" am „kerfridag", aber nicht die ewige Lampe jahraus jahrein haben nähren können.*) Die jetzige Kirche besaß im Jahre 1912: drei Kelche mit silberner vergoldeter Kuppe, ein ebensolches Ziborium und Osten- sorium. Die drei Altäre derselben sind in echtem Rokcko-Stile aus Holz gearbeitet, der Hochaltar ist wirklich reich vergoldet. Das Ölgemälde an der Wand hinter dem Hochaltar hochhängend, die hl. Dreifaltigkeit darstellend, das Ölgemälde an der Mauer der Epistelseite hängend, angefertigt im Jahre 1814, den hl. Antonius den Einsiedler darstellend, die beiden dürften wohl als Kunstwerke angesprochen werden. Die beiden Turmglocken, von denen eine im Jahre 1917 dem Weltkriegsgotte zum Opfer fiel, sind gegossen worden im Jahre 1679 und 1762. Nicht übergangen werde das Mißgeschick, welches die arme Kirche auch noch, »m Jahre 1795 ungefähr, getroffen hatte, daß nämlich Kelch, Ziborium, Monstranz u. a. dem damaligen französ. republik. Freiheitsdusel gemäß gestohlen wurden, anscheinend von Einheimischen. Die hl. Gefäße Ehrten zwar nach und nach wieder zurück, aber in höchst reparaturbedürftigem Zustande. 6 )
An Ländereien besaß die Kirche im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts eine Wiese am Wawerner Wege, welche der dazumal noch be-
*) DA. BB., Nr. 278. s ) KSA., Kirchensachen, Generalia, Nr. 105. a ) VA. und Pfarrarchiv. 4 ) Pfarrarchiv. 6 ) Ebd.
