Hamm, Kapelle Filzen, Pfarrhaus, religiöse Übungen. 127

1919: 11 Singmessen. Eine fernere Stiftung wurde an der Pfarrkirche errichtet im Jahre 1910 mit 400 Mk. zu dem ausgesprochenen Zwecke, daß aus derselben die Abhaltung einer hl. Mission für die Pfarrei alle 15 Jahre ei möglicht werde. Eine sonntägliche Frühmesse wurde im Jahre 1920 eingeführt.

Die Kapelle zu Filzen wird erst im Jahre 1659 erwähnt. Im Jahre 1832 heißt es von ihr, daß sie feucht und zu klein ist. Im Jahre 1854 wurde sie neu gebaut, da sie wegen drohenden Einsturzes hatte geschlossen werden müssen. Sie hat den hl. Nikolaus zum Hauptpatron und besitzt einen Altar, eine Glocke, einen Kelch und keinerlei Vermögen.

Ein Pfarrhaus scheint bis zum Jahre 1613 in Hamm über­haupt noch nicht existiert zu haben.. Denn der Pfarrer verlangt damals, daß die Pfarrkinder Pfarrhaus und Stallung ihm erbauen. 1 ) Im Jahre 1633 überträgt ein gewisser Christ. Willi. Fath sein in Hamm gelegenes Haus dem Domkapitel zu Trier, welches auf Bitten des Pfarrers, „weil näher bei der Kirche gelegen", zum Pfarrhaus benutzt wird. 2 )

Der Zusatz hier, „weil näher bei der Kirche", unterstützt die An­nahme, daß Filzen ursprünglich die Seelsorgsstation gebildet hat, weil in Hamm bislang das Pfarrhaus ganz gefehlt hat. Das Fath'sche Pfarrhaus zu Hamm wurde bald der stumme Zeuge des Auftretens der Soldateska im 30jährigen Kriege; denn im Jahre 1638 bittet der Pfarrer die Gemeinde, daß sie ihm das durch kaiserliche Reiter in Brand ge­steckte Pfarrhaus wieder aufbaue. 3 ) 50 Jahre später genügt es wieder nicht; denn der Domdechant und Domkustos geben Befehl, daß der Pfarrer mit Haus, Stallung, Scheune „nothterftlich" versehen werde. Daraufhin fassen die Vertretungen der drei Gemeinden den über­raschenden Beschluß, in Koenen das Pfarrhaus zu errichten. Der Pfar­rer Schreyer selbst tritt dem Beschluß bei mit der Begründung: die Pfarrkinder zu Koenen hätten seit unvordenklicher Zeit immer nur den halben Gottesdienst bekommen, sie sollten auch einmal den ganzen, und die Hammer den halben erhalten. 4 ) Doch das Verlangen, die Toch­ter zur Mutter, und die Mutter zur Tochter zu machen, blieb, wie es sich erwarten ließ, unausgeführt, im Jahre 1720 erstand das neue Pfarr­haus mit Scheune wieder zu Hamm, aber, den herrschenden dürftigen Verhältnissen der Pfarrei gemäß, bedeckt mit einem Strohdache, das eines Tages, im Jahre 1754, vom Windsturme hinweggefegt und nun erst durch ein Schieferdach ersetzt wurde. Der Synodalbericht des Jahres 1853 verlegt zehn, der des Jahres 1868 neun Zimmer in das Pfarrhaus; heute sind es deren wieder zehn.

Als religiöse Übung verdient folgendes hervorgehoben zu Werden: Jahrhunderte lang wird wohl die Bruderschaft zu Ehren der Mutter Gottes in Übung gewesen sein, da die Kirche allzeit eine Ma­rienkirche war, wie sie es auch heute noch ist, und die Bruderschaft auch, wie wir bereits gehört haben, auf Stiftungskapital gegründet war.

*) DA. ebd. 2 ) KSA., Domkapitel Trier, Hamm No. 1396. 3 ) DA. ebd. *) Ebd.