128 Hamm, Prozessionen, Wallfahrten, Reliquien.
Ihr langes Bestehen wird wohl der Grund dafür gewesen sein, daß sie, als sie nur mehr in der Erinnerung bestand, ersetzt wurde durch die noch höher stehende Bruderschaft zu Ehren des allerhl. Herzens Jesu im Jahre 1733, gestiftet durch den Pfarrer Schreyer mit einem Stiftungskapitale von 260 Rtlr. Das Kapital war belastet werden mit der Verpflichtung eines jährlichen feierlichen Hochamtes mit Predigt am Herz- Jesu-Tage, mit zwei Jahrgedächtnissen für den Stifter, und ebenso mit vier jährlichen Stillmessen. 1 ) Im Jahre 1868 ward diese Bruderschaft wieder von neuem aufgefrischt. Heute bestehen folgende religiösen Vereine in der Pfarrei: der Kindheit-Jesu-, der hl. Familienverein, der lebendige Rosenkranz-, der Missions-, der Bonifazius-, der Cäcilienver- ein. Volksmissionen wurden abgehalten im Jahre 1864 und 1894 mit der Pfarrei Konz gemeinschaftlich, im Jahre 1913 und 1920 für die Pfarrei allein.
Eine sakramentalische Prozession zu Ehren des allerhl. Herzens Jesu war früher in Brauch bis zum Jahre 1832. Die noch heute übliche sakramentalische Prozession am Patroziniumsfeste Maria Heimsuchung wird schon im Jahre 1814 erwähnt. Das prozessionsweise Wallfahrten scheint nicht üblich gewesen zu sein. Indes liebten es die Gläubigen, vereinzelt die Wallfahrtsstätten zu Eberhardsklausen und auf der Höhe bei Wasserliesch zu besuchen. Während der Fastenzeit, im Maimonate und an allen Samstagen des Jahres pflegte früher der Rosenkranz vom Volke gemeinschaftlich in der Kirche gebetet zu werden. Generalkommunion der Jugend pflegte am St. Josephs- und am Maria-Himmel- fahrtstage stattzufinden. 2 ) Als Tag der Anbetung des allerheil. Sakramentes wurde bis zur Stunde der schon von Bischof Mannay bestimmte 1. Februar jährlich beibehalten.
Der Kreuzweg wurde im Jahre 1871 in der Pfarrkirche kanonisch errichtet. Das vorhandene, reich vergoldete Reliquiar enthält Reliquien der hl. Euzia, J. u. M., zweiter Patronin der Kirche. Die Reliquien sind zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus der Pfarrkirche zum hl. Laurentius in Trier nach der Pfarrkirche übernommen werden. Zu Trier befanden sich auch die authentischen Urkunden über diese Reliquien. An allen hohen Festen wurden sie früher auf dem Hochaltar zur öffentlichen Verehrung ausgestellt. 3 ) Um die Wende des 17. auf das 18. Jahrhundert wurde die hl. Luzia gegen ansteckende Seuchen angerufen. Im Jahre 1832 berichtet der Pfarrer zu Hamm, daß der Gebrauch beim Volke, ein Partikelchen der zu Ehren der hl. Luzia gesegneten Seide den unmündigen kranken Kindern unter ihre Speisen zu mischen, damit sie geheilt würden, ein abergläubischer Gebrauch und verwerflich sei. Indes soviel ist doch gewiß, daß 200 Jahre früher eine Segnung zu Ehren der hl. Luzia gegen die Ruhrkrankheit in rechtem Glauben angewendet wurde.
In der K a p e 11 e zu Filzen fand nach dem Bericht vom Jahre 1805 „nur zuweilen" Gottesdienst statt; dagegen pflegte im Jahrhun-
*) Pfarrarchiv. 2 ) VA. 3 ) Pfarrarchiv.
