268 Pfarrei Pluwig, Meßstiftungen, relig. Übungen, Bruderschaften.
ausmachten. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bezog die Kirche auch eine kleine jährliche ölrente aus der Pfarrei. 1 )
Die Anzahl der gestifteten Jahresmessen wird zum ersten Male 1804 angegeben, es waren deren 51, zehn Jahre später sind es ihrer 53, dadurch daß zwei Jahrgedächtnisse von Lonzenburg nach Pluwig verlegt worden waren. Bisher handelt es sich nur um gestiftete Lesemessen. Das Jahr 1832 kennt drei Sing- und 67 gestiftete Lesemessen, das Jahr 1852: 11 Sing- und 72 Lesemessen, das Jahr 1912: insgesamt in der Pfarrkirche 124 gestiftete Jahresmessen. Eine Sonntags-Frühmesse ist bis 1912 noch nicht gestiftet gewesen und auch nicht aus andern Mitteln gehalten worden.
Anerkennung verdient die seit Bischof Mannay 1803 fortgesetzte religiöse Übung der jährlichen Anbetung des Allerheiligsten am 6. Februar. Eine sakramentalische Prozession außer dem Fronleichnamsfeste war 1852 noch in Übung am Hauptpatronsfeste des heiligen Johannes Bapt. Die St. Markusprozession ging durch die Feldflur, die drei Prozessionen in der Bittwoche gingen nach Hockweiler, Gutweiler und Pellingen. An außerliturgischen Bittprozessionen waren noch vor hundert Jahren üblich eine solche am sogenannten Bannfreitag (in der dritten Woche nach Ostern), welche nach Gutweiler, und eine solche am Mittwoch in der Woche nach Pfingsten, welche nach Irsch bei Trier geführt wurde.
Religiöse Bruderschaften in älterer Zeit werden nirgends erwähnt. Gegenwärtig besteht die Bruderschaft des Lebendigen Rosenkranzes und des Gebetsapostolates zu Ehren des hl. Herzens Jesu. An kirchlichen Vereinen sind vorhanden der Kindheit-Jesu-Verein, die Marianischen Kongregationen für Männer, Jünglinge und Jungfrauen, der Cäcilien-Gesangverein und der St. Borromäus-Verein zur Verbreitung guter und religöser Bücher.
Auf das religiös-sittliche Leben im Ländchen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges um 1630 werfen ein übeles Licht die 1630 gemeldeten Tatsachen von vereinzelten öffentlichen Angriffen auf das Leben eines den Gottesdienst tuenden Mönches aus Trier, vereinzelte Attentate auf die Sittlichkeit, Sonntagsschändung, Versäumnis der Osterpflicht, häusliche Zwistigkeiten.-) Dagegen wird der Zustand der öffentlichen Moral 1852 ein guter genannt, trotzdem daß öffentliche Tanzbelustigungen sogar fünfmal im Jahre stattfanden, nämlich an Kirch- weih-Sonn- und Montag, sowie an den drei Tagen des Quinquagesima- sonntages. Ein erbaulicher und seltener Vorgang von 1739, der sich allerdings in der alten Pfarrkirche zu Gusterath zutrug, soll hier kurz erwähnt werden. Im genannten Jahre waren an 2000 Firmlinge aus der Mainzer, Metzer und Wormser Diözese nach Gusterath zusammengeströmt wegen der Anwesenheit des Bischofes. Bei dieser Gelegenheit erteilte der Bischof dem Sohne des Amtmannes im Amte St. Wendel die geistliche Tonsur.
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