Alte Pfarrei Schöndorf, Meßstiftungen, Kapellen, relig.-sittl. Leben. 281
Meßstiftungen sind 1712 vorhanden, aber es heißt dabei, ein Teil der Stiftungskapitalien sei durch die Ungunst der Zeitverhältnisse verloren gegangen. Darum suchen die Kirchenschöffen um eine Reduktion der Meßstiftungen nach, damit teils dem diensttuenden Pfarrer sein Genügen geschehen, teils auch etwas für die Kirche erübrigt werden könne. Ihre Anzahl betrug 1832: 42 Sing-, vier Segenämter, 115 Lesemessen; 1853: 51 Sing-, keine Segenmessen, 114 Lesemessen; 1871: 72 Sing-, vier Segenämter, nur 87 Lesemessen; 1912 sind im ganzen 203 Meßstiftungen vorhanden.
Kapellen gibt es in den sämtlichen Filialen. Erbaut wurde die zu Bonrath zu Ehren der hl. Margareta, inmitten des 18. Jahrhunderts; die zu Holzerath zu Ehren der hl. Helena gegen das Ende des 18. Jahrhunderts; die zu Hinzenburg zu Ehren der hl. Magdalena 1842; die zu Ollmuth zu Ehren des hl. Apostels Thomas 1834. Die Bonrather Kapelle, 1712 noch dem hl. Arnulphus geweiht, befand sich damals in einem kläglichen Zustande und wurde darin nur ab und zu auf besonderes Begehren hl. Messe gefeiert 1 ); die Kapellen zu Ollmuth und Hinzerath sind 1832 beide ebenfalls „miserabel", trotzdem die Einwohner zu Ollmuth reich waren; 1871 ist der bauliche Zustand bei allen ein guter. Meßstiftungen sind an allen errichtet und zwar sind es deren zu Bonrath 15 mit einem Salar für den Zelebrans von 40,55 Mark; zu Holzerath zehn mit einem Salar von 33,95 Mark; zu Hinzerath zwölf mit einem Salar von 42,70 Mark; zu Ollmuth 21 mit einem Salar von 63,65 Mark.
Das religiös-sittliche Leben in der Pfarrei ist früher nicht immer tadellos geblieben; denn 1584 wird im Sendgerichte gerügt die Verrichtung knechtlicher Arbeit an den Tagen des Herrn und häufige Raufereien, 1712 die Vernachlässigung des christlichen Unterrichtes. In letzterer Beziehung wird aber bereits 1739 ein Lob erteilt wegen des fleißigen Besuches des christlichen Unterrichtes. In den Jahren 1831 und 1853 wird der sittliche Zustand der Pfarrei als ein tadelloser, und werden Exzesse irgendwelcher Art als eine Rarität bezeichnet.") Die früher vielfach üblichen sogenannten Donnerfeste (freiwillige Feiertage gegen Gewittersgefahr) waren auch dort in Brauch, und wurden 1739 durch die kirchliche Oberbehörde verboten. Pfarrer Kirsten (1701/25) hatte eine Bruderschaft zu Ehren der Mutter Gottes und zu Ehren des hl. Sebastianus eingeführt. Ein eigenes Fest zu Ehren des hl. Sebastianus wird noch 1871 ex devotione begangen. 3 ) Letztere Bruderschaft war veranlaßt, wie es ausdrücklich davon heißt, durch die glücklich über- standenen pestartigen Krankheiten. Das Bestehen einer Bruderschaft zu Ehren der Mutter Gottes (Todesangstbruderschaft) wird 1804 erwähnt. 4 ) Gegenwärtig sind in Übung der Verein des Lebendigen Rosenkranzes und des Gebetsapostolates zu Ehren des hh. Herzens Jesu.
Bei der bischöflichen Visitation 1804 wird erklärt, daß andere als liturgische Prozessionen nicht üblich seien. Dennoch werden
*) VA. ■) Ebd. 3 ) Ebd. ") TA. 26/7, 213.
