Alte Pfarrei Wasserliesch, Patronat. 285
setzlichen Sturz erleidet die Bevölkerung bis 1624. Denn in diesem Jahre werden nur acht Feuerstellen in den beiden Ortschaften zusammen registriert'), also annähernd nur ein halb Hundert Seelen. De Lorenzi schreibt: „In dem Jahre 1624 fanden sich 170 Kommunikanten vor." Diese Angabe des Visitations-Protokolles kann nicht richtig sein. Gründe für diesen fürchterlichen Rückschlag werden nicht näher angegeben. Den Hauptanteil an dem grassierenden Hinsterben werden wohl die damals nicht ganz aussterbenden pestartigen Krankheiten tragen. Ob auch der in dieser Periode mächtig ins Kraut geschossene tolle Hexenverfolgungswahn an dem Aussterben zu Wasser- liesch-Reinig mitschuldig ist, kann bis jetzt noch nicht fest behauptet werden, wenn auch erwiesenermaßen Mitglieder der Pfarrei, wenigstens 1630, unter der Anklage der Beteiligung am Unfug gestanden haben.'"') Im Jahre 1569 werden kirchlicherseits 50 Wohnhäuser mit 200 Kommunikanten in der ganzen Pfarrei überliefert 3 ), 200 Kommunikanten repräsentieren c. 300 Seelen. Nachrichten über den ungefähren Stand der Bevölkerung in der Pfarrei im Laufe des 17. Jahrhunderts fehlten bis jetzt ausgenommen, daß 1698 kirchlicherseits in „Wasserlürsch" im Dekanat Remich gezählt wurden 28 Feuerherde. Auffälligerweise sollen 1712 nur 180 Kommunikanten in der Pfarrei gewohnt haben"), so daß also die Pfarrei den Stand ihrer Bevölkerung von 1541 bis 1561 kaum wieder erreicht hatte. Bis 1787 hat sie denselben aber schon merklich überschritten mit 261 Seelen in Wasserliesch und 101 in Reinig.'') Bis 1832 schreitet die Bevölkerungszunahme mächtig voran. Denn damals werden gezählt 124 Familien mit 546 Kommunikanten und 820 Seelen. 0 ) Wiederum tritt ein starkes Anwachsen hervor bis 1852: 141 Familien mit 664 Kommunikanten und 966 Seelen. Unaufhörlich nimmt die Bevölkerung zu, so daß 1911 gezählt wurden: 960 Kommunikanten und 1302 Seelen.
Die kirchliche Patronats- und Kollationsherrlichkeit über die Pfarrei ruhte ununterbrochen irt Laienhänden. Es waren zuerst die weltlichen Herren derer von Siebenbrunn unweit der luxemburgisch-belgischen Landesgrenze nahe beim belgischen Landstädtchen Arlon. Diese waren auch die Inhaber der früheren weltlichen Herrschaft über das Gebiet von Reinig samt den dazu gehörigen Orten: Wasserliesch, Konen, Luysch uff dem Bergh und Igel. Die genannte kirchliche Herrlichkeit verblieb dann auch in der Folgezeit in den Händen der Herren von Siebenbrunn, deren Inhaber nach und nach stets wechselten. In den bischöflichen Visitationsprotokollen von 1569 an erscheinen meistens die Herren von Berburg als die Inhaber der kirchlichen Patronatsherrlichkeit über die Pfarrei Wasserliesch. 7 ) Das Visitationsprotokoll von 1641 führt als „Gifter" an die edlen Herren von Holtz und von Metternich. Zunächst muß wohl der Name Holtz um-
') Schötter-Werveke, Gesch. des luxbg. Landes.
-') Trier. Chronik von Kenteilich-Lager 1. 152. 3 ) VA. 4 ) Ebd.
6 ) AQV. °) VA. 7 ) KSA. Herzogt. Luxbg. Nr. 184 II.
