Alte Pfarrei Wasserliesch, Inventar der alten Kirche, Kirchen-Baulast. 289
dieses gotische Chor war nach dem Urteile eines akademischen Bautechnikers auch ein gotisches Kirchenschiff angebaut, sicherlich im 13. Jahrhundert. Seit 1920 besteht nur mehr das gotische Chor derselben als Kirchhofkapelle und ist das spätere, nur mit flacher Decke versehene stillose Schiff ganz abgerissen. Da das Kloster St. Maximin bei Trier bereits um 1000 In Reinig begütert war, so ist die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß auch schon damals ein Seelsorgs- posten mit eigener Kirche, etwa in romanischem Stile erbaut (grundherrliche Eigenkirche) dort vorhanden war. Das gotische Schiff der Kirche war anscheinend 1641 nicht mehr vorhanden, als im genannten Jahre das Kirchenschiff „der Reparatur ganz bedürftig" erklärt und 1657 wiederhergestellt wurde. 1 ) Dasselbe wurde 1778 abgetragen und ein längeres Schiff angebaut. Auch dieses ward 1804 wieder verlängert, 1847 wieder repariert, aber es war nicht groß genug. 2 ) Dieses Zeugnis wird ihm 1860 von neuem ausgestellt. 3 ) Die Kirche vermochte mit dem Anwachsen der Bevölkerung nimmer gleichen Schritt zu halten. Ein Neubau war demnach längst ein dringendes unabweisbares Bedürfnis.
An hl. Gefäßen besaß die alte Kirche 1569 drei Meß-, einen Speisekelch und eine Monstranz, alle von Silber. Im Jahre 1657 wird bei der bischöflichen Visitation hervorgehoben, daß die Monstranz von den Soldaten des im Solde des Reichsverräters Bernhard von Weimar stehenden Truppenführers de Rosa zerbrochen, also wohl auch geraubt worden sei. Nach den unsäglichen Leiden und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurden unsere Gegenden wieder der Schauplatz von Truppenduixhzügen, infolge des von Ludwig XIV. gegen Spanien um seine Niederlande unternommenen Krieges, 1657 ward die luxemburgisch-niederländische Festung Montmedy von den französischen Truppen belagert und eingenommen. Im Jahre 1832 findet sich ein Ziborium aus Zinn vor. In der alten Kirche waren auch wenigstens 1712 zwei Glocken. Für das Läuten erhielt der Glöckner aus einer Stiftung der Pfarrgemeinde jährlich 30 und für Unterhalt der Glockenseile zehn luxemb. asses (ein assis = c. ]4 Groschen).
Die Bau- und Unterhaltungspflicht der Kirche lag bis zur französischen Umwälzung den Zehntherren ob, welche- auch die Kollatoren der Pfarrei waren. Letztere hatten für das Schiff, der Pfarrer für das Chor, die Pfarrei für den Turm, die Sakristei, den Kichhof und das Beinhaus zu sorgen. Freilich erachteten sich die Herren vom Adel durch die Verordnung des Kaiserlichen Provinzialrates zu Luxemburg von 1769, wonach „auf dem platten lande die pfaar Kinder die pfaar Kirchen wie auch die pfaarhäuser zu erbauen, zu unterhalten, auszubessern haben" für befreit von dieser Baupflicht.
An Ländereien besaß die Kirche anscheinend immer nur eine unbeträchtliche Wiese, groß 1832: 156 Ruten, verpachtet für einen Jahreszins von 9,30 Mark 4 ), 1853: nur 28 Ruten 5 ) und verpachtet für
*), 2 ), % "), 5 ) VA.
Marx, Geschichte der Pfarreien. 2. Band. in
