Allgemeiner Teil.
Kapitel I. , Die ältesten christlichen Spuren im Dekanat Engers.
Wenn der christliche Apologet Tertullian schon am Ende des zweiten Jahrhunderts schreiben konnte: Wir (Christen) erfüllen eure Städte, Lager, Paläste usw., nur die Tempel überlassen wir euch allein, so finden wir einen Beleg dafür in Heddesdorf. Dort wurden 1804 elf Gräber aufgedeckt. In einem davon lag auf einem weiblichen Gerippe ein aus weißem Ton gebranntes und zierlich gearbeitetes Täubchen, wie solche in Mainz, Heddernheim, Praunheim und anderswo ausgegraben wurden. 1 ) Dorow entging die christliche Bedeutung dieses Fundes nicht: „Die Lage der Leichen und das Täubchen zeigen an, daß es Christen waren, welche an diesem Orte, nahe bei dem großen Römerkastell Niederbieber, begraben lagen."
In den Anfang der Merowinger Zeit setzt Brower") das Vor handensein einer Kapelle inBesselich, dem hl. Remigius ge= weiht. Wenn damit gesagt sein soll, daß ursprünglich schon dieselbe diesem Heiligen geweiht war, so läge darin ein Anachronismus, denn Remigius ist 532 oder 533 gestorben. Bei der genannten Kapelle fanden der Aquitanier Florian, seine Gemahlin Engelinde, der Bischof Elon und andere bei einer Pilgerfahrt zu den Gräbern der hl. Ursula und Genossen in Köln den Tod von Hunnenhand in Besselich. Noch im 17. Jahrhundert ging die Vallendarer Prozession am Dienstag der Bittwoche jährlich nach Niederberg und Arenberg, vorbei an der Kirche der Nonnen in Besselich, worin der Antiphon und die Oration vom hl. Märtyrer S e r g i u s gesungen wurden. 3 ) Dieser Sergius war Soldat in Syrien und wurde 305 bei einer Christenverfolgung getötet. Seine Verehrung ist bis ins fünfte Jahrhundert bezeugt. 4 ) Das Haupt des hl. Sergius und das der hl. Engelinde befinden sich heute in der Pfarrkirche zu Niederberg. 5 )
Ein christlicher merowingischer Grabstein des Rainovaldus, nach Sprache und Schrift frühestens dem sechsten Jahrhundert angehörend,
L ) Ersteres ist abgebildet in Dorow, Römische Altertümer in und um Neuwied, Figur 8, Tafel 29.
2 ) Metropolis 2. 423. 3 ) Vallendarer Pfarrarchiv.
4 ) Freiburger K.-Lexikon. 5 ) De Lorenzi, Gesch. der tr. Pfarreien II. 502.
