298 Christliche Spuren, Leütesdorf, Rheinbrohl, Andernach.
wurde zu Leutesdorf gegenüber Andernach gefunden. 1 ) Ein ebensolcher, dem siebten Jahrhundert zugesprochen, dem Pulevaldus gesetzt, fand sich in Rheinbrohl und ist jetzt ebenfalls im Bonner Museum, Saal XV, D 72. Eine Grabplatte aus rotem Sandstein, noch in Rheinbrohl, aus der 1852 niedergelegten Pfarrkirche stammend, ohne Inschrift, aber zwei gerade Abts- oder Bischofsstäbe zeigend, spätestens aus der Zeit des neunten oder zehnten Jahrhunderts '), dürfte auch zu den ältesten Denkmalen zählen. Von Bedeutung für die rechte Rheinseite ist auch der merowingische Grabsteinfund eines Presbyters in Andernach, weil Amtsgenossen ihn errichten ließen, „um den zu ehren, der verdient habe, an der Spitze der Heiligen zu sein". 3 ) Der Fund ist einmal wichtig, weil er ein Kollegium von Priestern bezeugt; dann auch, weil das Andernacher Grundgericht Miesenheim, Leutesdorf, die Gegend von Feldkirchen und Cunostein- Engers in sich begriff.
Diese Funde beweisen, daß es auf der rechten Rheinseite abwärts der Lahn in merowingischer, ja auch schon in römischer Zeit Christen gab und daß schon eine christliche Kultusstätte vorhanden war, aber noch nicht, daß die Gegend zum Bistum Trier gehörte.
Kapitel II. Die rechte Rheinseite Bestandteil der Trierer Diözese.
Durch die Eroberung der Kastelle Niederbieber und Niederberg war das Gebiet nördlich der Lahn im Jahre 259/60 von der Römerherrschaft befreit worden, das Land westlich des Rheines blieb aber noch etwa 200 Jahre unter deren Zepter und war in Provinzen eingeteilt, deren Organisation dem Christentum als Unterlage für seine Einteilung in Erzdiözesen und Diözesen diente. Trier als Metropole der römischen Provinz Belgica prima in Gallien hatte unter sich die civitates und nachherigen Suffraganbistümer Metz, Toul und Verdun; Mainz als Metropole der Provinz Germania prima die civitates Straßburg, Speyer und Worms, und Köln als Metropole der Provinz Germania seeunda die civitas Tongern. 4 ) Die Grenze der beiden germanischen Provinzen war die O b r i n c a"), womit der Brenk- b a c h gemeint ist, dessen Fortsetzung Brohlbach in den Rhein oberhalb Breisig mündet und bei dessen Ausfluß auf- und abwärts Votiv- steine für die Grenzgötter der beiden Provinzen gefunden sind (bei Namedy und Rheineck). Die Kölner Erzdiözese reichte durch das ganze Mittelalter bis zur französischen Revolution an diesen Punkt. Folgerichtig müßte für dieselbe Zeit auch die Erzdiözese Mainz bis an diese Stelle gereicht haben. Wenn sich die Erzdiözese Trier dazwischen
*) Bonner Provinzialmuseum Saal XV Nr. 2422.
2 ) Kelleter, Kaiserswerther Urkb. S. XXI.
*) Bonner Museum Saal XV Nr. 2339.
") Riese, Das rheinische Germanien S. 230. 6 ) Ebd. 1. c. S. 380.
