Missionäre: S.S. Castor, Lubentius, Severus, Suitbertus, Willibrordus. 299

geschoben, ja auch über die Rheingrenze hinaus in den Westerwald und Taunus vorgerückt ist, so wird das seinen historischen Grund haben.

Zwei Missionäre aus der Schule des trierischen Bischofs Maximinus haben in der letzten Hälfte des vierten Jahrhunderts an der unteren Mosel von Carden und Cobern aus das Evangelium durch Wort und Tat gelehrt, S. S. Castor und Lubentius, letzterer auch an der Lahn, wo sein Grab in Dietkirchen sich noch befindet. 1 ) Auch der Trierer Bischof Severus hat in der Germania prima missioniert. 2 ) Ob wohl der Kirchenpatron St. Severus von Boppard damit zusammenhängt?

Der Zusammenbruch der römischen Herrschaft westlich des Rheines führte unter fränkischen Königen zu einer politischen Neuordnung, welche auch der kirchlichen Rechnung trug. Mehrere Dokumente geben davon Kunde. Zwar sind sie von der Kritik als unecht verworfen, aber damit ist nicht gesagt, daß ihnen nicht echte zu Grunde liegen, zumal eine echte des Kaiser Karls des Großen vom Jahre 772 sich auf sie beruft. 3 ) Nach dieser echten Urkunde verleiht Kaiser Karl auf Bitten des Bischofs Weomad von Trier der Kirche des hl. Petrus (Dom) Freiheit der Gerichtsbarkeit für die im fränkischen Reiche liegenden Klöster, Kirchen, Kastelle, Dörfer und Felder, Orte und übrigen Besitzungen sowohl über als am Rheine.

Ehe wir auf christliche Spuren rechts und links vom Rheine ein= gehen, wollen wir die Tätigkeit derfremden Mönche" erwähnen, die Pipin von Heristall in seinen Schutz nahm. Der Missionsbischof Suitbertus, ein Angelsachse, war mit St. W i 11 i b r o r d 690 zur Friesenmission über das Meer gekommen, hatte sich aber bald der Bekehrung der Brukterer zwischen Lippe und Ruhr gewidmet und erhielt von Pipin, als die Sachsen dieses Gebiet eroberten, auf Ver­anlassung von Pipins Gemahlin P 1 e c t r u d die Rheininsel Kaisers- werth als Zufluchtsort, wo er ein Kloster gründete und 713 sein Leben beschloß. 4 ) Von ihm berichtet der Kaiserswerther Stiftsherr und Pfarrer von Rheinbrohl, welcher im Jahre 1613 Dokumente über die geschichtliche Vergangenheit Kaiserswerths und Rheinbrohls sammelte, er habe aus alten schriftlichen Urkunden ersehen, daßSuitbertus in Rheinbrohl und ringsherum (in Brule et circumquaque) dem Volke das Evangelium gepredigt, viele Wunder gewirkt und sehr viele Götzendiener zum Glauben bekehrt, worauf ihm zu Ehren nach seinem Tode in Brule eine Kirche gebaut worden sei". Diese Urkunden sind leider unerfindlich, aber die örtliche Tradi­tion bestätigt die Nachricht, und die Verhältnisse in der Gegend sprechen dafür. In Rheinbrohl waren drei Königshöfe: ein Ger­trudenhof, bis 1706 im Besitze der Abtei Nivellen in Brabant, ein

*) Trierer Brevier, geläuterte Ausgabe 1917 zum 13. resp. 16. Oktober.

-) Ebd. 1. c. zum 15. Oktober. a ) MRUB. I. 24.

l ) Beda, Hist. Angel. V, cap. 12, Levison, Gesch. d. Rheinlandes, I. S. 58.