300 S. S. Suitbertus und Willibrordus.

Marienhof, Eigentum des Stiftes Anden bei Namur, noch 1647 an die Karthause in Köln übergegangen, und der Kaiserswerther Propsteihof. Die beiden ersten Höfe vererbten sich von dem merowingischen Hausmeier Pipin von Landen auf seine Töchter, S. Gertrud, die erste Äbtissin von Nivellen, und auf S. B e g g a , die Gattin des Herzogs Ansigisil und nach dessen Tode Stifterin des Klosters Anden. l ) Der dritte Hof, wahrscheinlich im Besitze Grimoalds, des Bruders der genannten Schwestern, kam nach dessen Ermordung (656) an Beggas Sohn aus ihrer Ehe mit Ansigisil, Pipin von Heristall, der mit seiner Gemahlin Plectrudis in vielfacher Beziehung zu Suitbertus stand.

Von der hl. Gertrud berichtet nun ihr zeitgenössischer Lebens- beschreiber (siehe Bollandisten), sie habe überseeische Mönche kommen lassen, um ihren Nonnen die Psalmen zu erklären. Da sie und ihre Mutter das Kloster Nivellen mit Gütern zu B r u 1 e (Rheinbrohl), Are (Ariendorf) und Wallen (bei Linz) ausgestattet hatten 2 ), so liegt der Gedanke nahe, daß sie oder ihre Nachfolgerinnen den eng­lischen Mönchen nahelegten, ihre Hofleute am Rheine mit den christ­lichen Wahrheiten vertraut zu machen. Und als Suitbertus sich dieser Aufgabe unterzog, dotierte Pipin auf Bitten seiner Suitbertus besonders gewogenen Gemahlin das Kloster Kaiserswerth mit dem Propsteihof zu Brule und verlieh ihm zugleich das Zehntrecht und das Patronat über die dort zu errichtende Kirche, gemäß der von Pipin zuerst geübten Praxis, den Zehnten von allem Fiskalbesitz und allen Fiskal­abgaben zum Unterhalt der Mönche und Kanoniker zu bestimmen, welche die Heiden bekehren und die Bekehrten im Christentum unter­weisen. 3 ) Das Stift Kaiserswerth war bis 1706 im Besitze des Zehnten und der Kirche von Rheinbrohl, und St. Suitbert ist heute noch der Kirchenpatron.

Wie Suitbertus vor den Sachsen sich zurückziehen mußte, so zog sich auch Willibrordus vor seiner Bekehrungsreise von Friesland und Dänemark, wo er mit knapper Not dem Tode entging, auf fränkisches Gebiet zurück und fand einen sichern Ort für weiteres Wirken in Echternach, begünstigt und unterstützt von Irmina und den Trierer Bischöfen Basinus und Liudwin. Mehrere Urkunden von 698 bis 719 bezeugen seine dortige Anwesenheit. Dann arbeitete er zeit-

*) Volk, Ergänzungen z. Gesch. Rheinbrohls 1922, S. 3043.

'-) In einer alten Chronik der Stadt Namur liest man: Die Kapitel Nivellen und Anden haben ein Dorf am Rhein bei Andernach, welches Eigen­erbe der hl. Gertrud und der hl. Begga war. Diese Kapitel sind Herren des Dorfes. (Mitteilung des Konservators des Namur-Archives.)

Keileler im Urkundenbuch über Stift Kaiserswerth, S. XX bis XXVI, verteidigt die These, daß der Kaiserswerther Besitz des Zehnten und der Kirche so alt ist, wie der Besitz Nivellens und Andens daselbst und kommt zu diesem Resultat auf anderem Wege.

3 ) Böhmer, K. Urk. S. 60.