Dekanat Engers, Schönborn-Stiftung, der Send. 313
1756 regierte, ein Kapital, aus dessen Zinsen nach dem Protokoll des Dechanten Kleudgen von 1801 im Dekanat Engers jährlich erhalten sollen: Arzheim 43, Hammerstein 58, Hartenfels 4, Niederberg 28, Niederlahnstein 21, Herschbach 6, Hillscheid 30, Oberelbert 18, Holler oder Hön 15 Rtlr.
Kapitel VIII. Der Send.
Auf die Aufforderung des Erzbischofs Jakobs III. 1577 an Pfarrer Anton Lutz zu Vallendar, bisher Dechant des Landkapitels, berichtet dieser: „Der Erzbischof hat sich überall die Haltung des Send im ersten Jahre vorbehalten; im folgenden Jahre hält ihn überall der Archi- diakon von Dietkirchen, ausgenommen da, wo der Erzbischof selbst Pastor gewesen, wie zu Niederlahnstein, Hartenfels etc. Im dritten Jahre hält ihn der Landdechant da, : wo auch der Archidiakon es tut. Dann beginnt die Reihenfolge wieder von vorne. Dem Erzbischof ist es vorbehalten, in besonderen Fällen, nach seinem Dafürhalten, an dem einen oder andern Orte und in dem Jahre den Send selbst zu halten, nur muß dem Archidiakon oder Dechant das vorher mitgeteilt werden. Haben aber der Archidiakon oder Dechant den Send vorher schon angemeldet, dann sollen' die besonderen Fälle dem Erzbischof schriftlich zur Entscheidung eingesandt, der angekündigte Send aber in anderen Dingen vollführt werden. Dechant und Kapitel St. Florin, Koblenz üben den Send zu Montabaur und den dazu gehörigen Pastoreien, als Wirges, Hilgenrodt, Kirchär, Bubeiskirch etc., auf welchen Titel, auf welches Recht oder Art hin, ist mir unbekannt.
Bezüglich der Zeit des Send habe ich von den Alten gehört, er sei im Nachwinter und Vorsommer, zwischen Christi Geburt und Johannestag, nach Gelegenheit des Sendherrn gehalten worden, nach vorausgegangener dreiwöchiger Ankündigung und Ermahnung an die Sendschöffen, Rügen zu melden und ihres Eides zu gedenken.
Im Dekanat Engers ist seit 21 Jahren kein Send mehr gehalten worden, von keinem Sendherrn und an keinem Ort, ausgenommen 1573 oder 74 zu Leutesdorf durch Peter Seit und Franz N. und zu Hammerstein einmal; die St. Florinsherren haben ihn im Montabaurer Distrikt regelmäßig gehalten. Als ich Dechant wurde, habe ich zu meinem Schaden den Send zu Elperskirch in esse gefunden und auch bis zur Gegenwart behalten.
Durch den langjährigen Ausfall des Sends erleidet unsere katholische Kirche großen Schaden, nicht allein »in Undergangk vieler guter Ceremonien, sunder auch etlicher substantialischer punkten. Die heyl- same Aarons diseiplinarsrode wird in vergeß gestalt; große leichtfertig- keit und ungehorsamheit erwachset, das geistliche schwert wird dem Erzbischof entnommen (da Andere mit Interesse deren Regalien haben), oder dem weltlichen vermischet. Die Renten und Gefälle der Pfarrkirchen kommen in Abgang; wenn man auch bessere und qualihcierte
