Dekanat Engers, alte und neue Klöster. 321
17. Linz. Der Pfandherr Ernst v. Isenburg stiftete 8000 Rtlr. zur Ermöglichung einer Kapuziner- Niederlassung daselbst, welche Stiftung Erzbischof Ferdinand von Köln als Landesherr 1626 bestätigte, während Erzbischof Philipp Christoph von Trier als Diözesanoberer die Patres zur Spendung der Sakramente bevollmächtigte. Zum Bau der 1636 angefangenen Klosterkirche gab eine Witwe Agatha Hommermann 5000 Rtlr. Diese Ordensleute hielten Schule und halfen in der Seelsorge der damals ausgedehnten Pfarrei, innerhalb welcher heute fünf Pfarrei- tätig sind. Die Patres mußten infolge der politischen Umwandlung 1813 das Kloster verlassen, dessen Wohnräume Salzmagazin wurden, während die Kirche dem Gottesdienst erhalten blieb.
18. Während so durch die Kapuziner besserer Unterricht für strebsame Knaben ermöglicht war, kamen ungefähr gleichzeitig zwei Nonnen aus dem St. Lucienkloster zu Köln, Servitessen genannt, in das Maus des Bürgermeisters Ernst an der Ratskapelle zu Linz, um Mädchenschule zu halten, kauften 1627 aus gesammelten Beiträgen für 1700 Rtlr. ein Haus und bauten sich daneben 1692 eine Kapelle. Auch diese Niederlassung fiel der Säkularisation zum Opfer. Aber Franziskanerinnen aus Nonnenwerth nahmen 1854 die Arbeit wieder auf und erfüllen sie nach dem Kulturkampf heute wieder.
19. St. Katharinen auf der Linzer Höhe. Gerhard v. Rennenberg und seine Gemahlin Benigna gründeten dort im 13. Jahrhundert mit Zustimmung der gleich frommen Gräfin Mechtild von Sayn als Landesherrin ein Zisterzienser innen- Kloster, in welchem immer, auch während der Reformation und während des Dreißigjährigen Krieges, ein guter Geist herrschte. Während Linz durch protestantische Prediger in Unruhe und Verwirrung geriet, widerstand die Klosterfamilie allen Verkehrungsversuchen. Ein Nönnchen zog den zudringlichen Prediger sogar von der Kanzel herunter. Die Bräute Christi dienten dem Herrn treu bis 1803, wo Nassau-Usingen für seine Verluste auf der linken Rheinseite durch Besitzungen auf dem östlichen Rheinufer entschädigt wurde. Die Klosterkirche wurde dann Vikarie- und ist heute Pfarrkirche, für die aus den Pfarreien Linz und Neustadt herübergezogenen umliegenden Ortschaften.
Fünf Klöster haben also in dieser Gegend den Religionswechsel nicht mehr erlebt, andere fünf sind während desselben eingegangen, und die übrigen wurden erst ein Opfer des allgemeinen Umsturzes der Verhältnisse.
b) Die neuen. Nachdem der ,wilde Freiheitsdrang im Blute Europas erstickt war und die Staaten ihre leeren Kassen mit Kirchen- und Klostergut zu füllen gesucht hatten, trat die Stille nach einem Sturm ein. Die seichte französische Ausklärung wich wieder ernster christlicher Lebensauffassung. Zwar versuchte der Deutschkatholizismus ihr ein deutsches Gepräge aufzudrücken, erhielt aber den Todesstoß durch die Gefangennehmung zweier preußischer Bischöfe. Die Katholiken, geschreckt und geweckt, besannen sich auf die Unveränderlichkeit
Marx, Geschichte der Pfarreien. 2. Band. 21
