Das Lob, das die bisherigen Kurgäste selbst daheim in allen Tonarten sangen über das äußerst preiswürdige, stille, lauschige Leben in dem wälderreichen Rengsdorf, zog jährlich immer größere Scharen Kurgäste heran, so daß ich als katholischer Seelsorger Rengsdorfs daran denken mußte, auch in Rengsdorf des Sonntags einen katholischen Gottesdienst einzurichten. Unser Komitee war sofort damit einverstanden, und ich tat dann die diesbezüglichen Schritte bei der Bischöflichen Behörde zu Trier, die einstweilen den Gottesdienst noch nicht gestattete, bis sich eine größere Notwendigkeit herausstellen sollte. Zwei Jahre später erhielt dann nach meiner Ueber- siedlung nach Cöln der neue Nachfolger die Erlaubnis, jeden Sonntag in der Saison Gottesdienst in Rengsdorf zu halten.
Schon vor meinem Umzug nach Cöln kam im Jahre 1896 Herr Kreissekretär Wink als Bürgermeister nach Rengsdorf an die Stelle von Herrn Heymann. Mit dem Einzug dieses Mannes |trat das eigentliche goldene Zeitalter und der Aufschwung des Luftkurortes Rengsdorf ein. Er wurde der geniale Baumeister, der auf einem vorhandenen guten Fundamente einen Riesenbau in herrlichsten Formen weiterbaute. Da entstanden unter seiner geschickten umsichtigen Leitung öffentliche Kuranstalten, Fußpfade und Waldwege (noch kürzlich sagten mir frühere Kurgäste: Rengsdorf durch seine sauberen Straßen im Orte und in Feld und Wald rage vor allen Kurorten hervor), schöne Aussichtspunkte; Ruhe- und Sitzplätze, mit Alleen gezierte Straßen wurden vermehrt, neue Statuten wurden entworfen, der Verschönerungsverein wurde gerichtlich eingetragener Verein, reiche Gönner wurden erworben, die in hochherziger Weise für öffentliche Anlagen hohe Summen spendeten. Es entstanden Villen und Hotels an stillen und herrlich gelegenen Punkten. Alles nahm mehr und mehr die Formen eines wirklichen Kurortes an. Bei der Sorge um die Entwicklung des Kurortes haben alle Beteiligten damit ständig soziale Arbeit geleistet, da sie nach den Grundsätzen handelten: „Viele Wenig machen ein Viel" oder: „Besser tausendmal einen Pfennig statt tausend Pfennig verdienen". Im Vertrauen auf die Richtigkeit dieser Grundsätze haben alle Gastwirte und andere Gewerbetreibenden ihre Preise, trotz anerkannt guter Bedienung, auf mäßiger Höhe gehalten. Und dadurch haben sie es ermöglicht, daß auch Erholungsbedürftige aus den mittleren und niederen Ständen alljährlich in großer Zahl in den reizenden Wäldern Rengsdorfs sich erfrischen konnten. Dies und die bewährte Devise: „Keine halbe Arbeit" haben es dahin gebracht, daß die Zahl der Kurgäste von 497 im Jahre-1897 auf 3682 im Jahre 1906 stieg, und daß auch das Ausland bereits einen starken Prozentsatz der Gäste lieferte. Im Jahre 1908 betrug die Zahl der Kurgäste 6111 gegen 4382 im Jahre 1907 und 3682 im Jahre 1906. Das bedeutet in zwei Jahren einen Zuwachs von 1479 Gästen. Die höchste Zahl der an einem Tage zugleich anwesenden Dauergäste betrug 996, also ungefähr so viel, als Rengsdorf an Einwohnern zählt. Auch die Zahl der Tages- 24
