die nicht erscheinenden Empörer aus der Grafschaft verbannt, ihre Güter confisciert und ihre Namen an die Galgen 'geschlagen werden. Die kölnischen Soldaten wurden zu Braunsberg angewiesen, dem Grafen in allem Folge zu leisten. Die subdelegierten Hofräte setzten ihre Untersuchungnn fort: die nicht erscheinenden oder, wie man sagte, auch auf dem Wege zu der Commission vor kölnischen Reitern zurückfliehenden Bauern wurden zu Geldstrafen verurteilt. Der Ausbau des Schlosses Friedrichstein wurde weit gefördert.
Die beiden Grafschaften hatten in den Jahren 1692 und 1693 eine beträchtliche Anzahl kranker Hessen und Münsterschen Soldaten zu verpflegen und in dem Jahre 1693 wurde dieses verarmte Land nicht nur von hessischem und münsterschem Volke, sondern auch mehrere Monate hindurch von drei- bis viertausend kurbrandenburgischen Reitern, unter dem Generalmajor Dewitz, bedrückt. Im Jahre 1694 war unser Rheintal in den Frühlingsmonaten von deutschen Verteidigern, die nach den Niederlanden gezogen waren, eine kurze Zeit entblößt. Diesen Umstand benutzten Streifhaufen des französischen Heeres, das unter dem Marschall de Lorges seit dem Mai 1693 an verschiedenen Orten verwüstende Uebergänge auf das rechte Rheinufer wagte und fielen aus dem Trier'schen des Nachts in Neuwied ein, plünderten, rannten durch die Straßen, zündeten Häuser in der Rheinstraße und das neue Schloß an, und verfolgten den Grafen Friedrich durch den großen Weingarten an dem Schlosse; er entging ihnen glücklich. Von den fliehenden Bürgern der Stadt aber fielen den Feinden drei in die Hände: Johann Erbes, Johann Wilhem Remagen und Johann Daniel Später, wurden auf die neue Festung Mont-Royal geschleppt und schmachteten dort als Geiseln 22 Monate in elender Gefangenschaft, bis sie gegen 2500 Taler Lösegeld freigelassen wurden. Friedrich gab ihnen ein Collectenpatent zur Vergütung. Zwei Jahre nachher verübten abermals Franzosen hier am 6. Dezember Gewalttätigkeiten. In demselben Jahre verweilten noch zwei bayerische Dragonerregimenter, die nach den Niederlanden gingen, in Neuwied und den nahen Dörfern. Friedrichs Residenz hatte durch den Brand so sehr gelitten, daß er seitdem in einem Privathause der Stadt wohnte, außerhalb der Stadt war sein Aufenthalt in den letzten Jahren auf Braunsberg. Das verwüstete Schloß zu Neuwied neu und größer aufzuführen, war seinem Sohne und Nachfolger vorbehalten. Graf Friedrich errichtete am 13. Dezember zu Braunsberg ein weiteres Testament, um den von ihm vorausgesehenen Streitigkeiten zwischen den Kindern seines ältesten Sohnes und seinem Sohne aus der dritten Ehe, Friedrich Wilhelm, kraft des Erbvergleichs von 1613 zu begegnen. Er setzte aber, nach längstgefaßtem Entschlüsse, und laut seines Testamentes zu Marburg, seinen Sohn Friedrich Wilhelm, nachdem er ihn aus der väterlichen Gewalt gerichtlich entlassen, und unter die Vormundschaft des Grafen August von der Lippe gestellt hatte, förmlich und feierlich als Erben der, noch requestrierten, Niedergrafschaft 52
