Knaben an und leitete seine Erziehung. Dieser Mann war ein fleißiger Archäologe, und so begeisterte sich der junge Schütz für archäologische Forschungen. Er war später als Priester in so ausgedehntem Maße auf diesem Gebiete tätig, daß ihm sogar protestantische Gelehrte in der „Deutschen Literaturzeitung" Anerkennung dafür zollten. Als Zwölfjähriger kam er ans Gymnasium nach Trier, später infolge eines erhaltenen Familienstipendiums nach Luxemburg, wo die Fächer teils in deutscher, teils in französischer Sprache gelehrt wurden. Dadurch erhielt Schütz eine vorzügliche Grundlage für das Studium der fremdsprachlichen Literatur. Während des in Preußen tobenden Kulturkampfes wurde er in Luxemburg Priester und fand gleich Verwendung im Schulfache als Hilfslehrer am Gymnasium zuDiekirch. Damals half er auch in der Seelsorge der Diözese Trier aus und spendete dabei seiner eigenen Mutter die letzten Tröstungen der Religion. Hierauf wirkte er drei Jahre als Kooperator in Cham, Diözese Regensburg, dann vorübergehend als Kaplan in Lütt ich (Belgien). 1888 wurde er als Pfarrvikar nach Kurtscheid im Unter- westerwald (Kreis Neuwied) berufen. Seine dortige Tätigkeit während neun Jahren sollte für den ganzen Westerwald von Bedeutung werden.
Bei seiner Ankunft in Kurtscheid umfaßte die Gemeinde etwas über 350 Einwohner, die sich meist in ärmlichen Verhältnissen befanden. Kirche und Pfarrhaus waren in trostlosem Zustande. Die Kirche hatte wettergrüne Glasfenster, unbehauene Platten als Bodenbelag, halbmorsche Kirchenstühle, weiße leere Wände, einen Hühnersattel als Empore; sie beherbergte noch die Feuerspritze. Das Pfarr haus hatte keinen Vorgarten. Die dazu gehörigen Felder und der Garten waren gänzlich verwahrlost und unfruchtbar; hatte doch der Ort seit 1 '/a Jahren keinen eigenen Seelsorger mehr gehabt. Die Kurtscheider mußten nicht nur ihren Pfarrer unterhalten und den Küster besolden, sondern auch noch Abgaben an die Pfarrei Waldbreitbach und bis 1860 an den protestantischen Pfarrer von Rengsdorf entrichten. Trotz dieser starken Inanspruchnahme hatten sie mit größter Opferfreudigkeit in vier Jahren über 2500 Mark zur Anschaffung einer neueu Orgel und Instandsetzung der Kirche beigesteuert. Da aber mehr als 20000 Mark nötig waren, mußte Schütz andere Einnahmequellen suchen. Bitten um Unterstützung in einigen katholischen Blättern brachten dem unbekannten Westerwalddörflein nicht einmal 200 Mark ein.
Es dürfte alle Leser und Leserinnen interessieren, daß Fürst Bismarck der Kurtscheider Kirche 100 Mark schenkte, als Schütz im deutschen Interesse den Bischof Msgr. Lamaze von Samoa bei der Samoa-Konferenz in Berlin würdig vertreten hatte. Auch die Kaiserin Augusta sandte ihm von Coblenz und die jetzige Kaiserin Auguste Victoria von Berlin aus Geld zur Beschaffung würdiger hl. Gefäße.
Um größere finanzielle Mittel zu Kirchenreparaturen und Aufbesserung von Feldern und Wiesen zu erlangen, faßte Schütz 76
