den Plan, an Schwachbegabte Knaben Gymnasial-Unterricht zu erteilen. Mit vier Schülern begann er; nach und nach mehrte sich die Zahl. Als ein Herr, nicht grade aus Wohlwollen, bei der Regierung anfragte, ob Schütz zur Führung einer „höheren Privatschule" berechtigt sei, half ihm der damalige Landrat von Runkel in Neuwied, befürwortete die Sache, und so erteilte die Regierung ihre Genehmigung. Nun begann das Kurtscheider Institut zu blühen; Anzeigen in verschiedenen Blättern hatten zur Folge, daß das nächste Schuljahr mit 37 Zöglingen, Sitzengebliebenen von 12 Gymnasien^ begonnen werden konnte. Sie wurden zum Teil in den beiden Gasthäusern (In beiden Gasthäusern Klein und Reuschenbach finden heutzutage Kurgäste ein den Verhältnissen entsprechendes billiges und wohlbekömmliches Unterkommen), zum Teil bei den besseren Bauern verpflegt und brachten jährlich etwa 20000 Mark ins Dorf. In den Unterrichtspausen arbeitete Schütz mit seinen Schülern an der Urbarmachung der Pfarrwiesen und Anlagen von Straßen, was die Gesundheit der Knaben sehr beförderte. Mehrere machten mit Erfolg zwei Klassen in einem Jahre, ein Beweis dafür, daß die körperliche Nebenbeschäftigung für sie nicht von Nachteil war. Die Eltern der Knaben spendeten dem Pfarrer für seine Kirche zum Teil ansehnliche Geschenke. So hatte er die Kirche allmählich hergerichtet und ausgeschmückt, als er seine Schule eingehen lassen mußte. Ihr eigenes Verhängnis wurde die Tüchtigkeit des Leiters.. Ein Architekt hatte seinen auf Untersekunda sitzen gebliebenen Sprößling gebracht und dem Pfarrer versprochen, einen Plan zur Vergrößerung der Kirche kostenlos auszuarbeiten. Erfreut darüber gab Schütz dem Knaben Privatunterricht und brachte ihn so weit, daß er an einem westfälischen Gymnasium das Examen für Obersekunda mit Erfolg bestand. Schadenfroh erzählte dies der Architekt den ehemaligen Lehrern seines Sohnes; diese glaubten, Schütz habe ihnen absichtlich einen Streich spielen wollen und wurden bei der Regierung vorstellig. Daraufhin wurde dem Kurtscheider „Gymnasium" die Konzession ungerechterweise entzogen, und es mußte geschlossen werden.
Schütz betätigte sich nun auf einem andern Gebiete. Er wurde neben seinem Seelsorgeramte Landwirt: hielt sich ein Pferd, zwei Kühe und mehrere Schweine, um den Kurtscheidern, die sehr konservativer Natur waren, zu zeigen, wie die Landwirtschaft unter veränderten Zeitverhältnissen den größten Nutzen bringe. Als er dann auf einer früheren Heide das schönste Korn erzielte, waren die Bauern alle auf seiner Seite und folgten willig dem Rate und den Besserungsvorschlägen ihres Pfarrers. Er ließ durch Landwirtschaftslehrer Vorträge halten, hielt auch selbst solche, führte den Obstbau und die Bienenzucht ein und erweiterte die Viehzucht, so daß sich der Wohlstand des Dorfes merklich hob. Hierbei halfen ihm wesentlich sein kluger Lehrer Hugo Staub, sein energischer Ortsvorsteher Anton
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