Boden III und der vorsichtig abwägende Kunst- und Handelsgärtner Matthias Boden zu Kurtscheid.

Ein weiteres Verdienst erwarb er sich dadurch, daß erden jüngeren Ortsbewohnern, soweit sie nicht in der Landwirtschaft verwendet werden konnten, lohnende Arbeit vermittelte. Da manche Familien nur wenige Felder besaßen, so sandten sie ihre der Schule ent­wachsenen Knaben zu Sandsteinarbeiten nach dem vier Stunden ent­fernten Neuwied, von wo sie Samstags halbverhungert und müde heimkamen; die Mädchen aber saßen zu Hause ohne Beschäftigung. Schütz veranlaßte nun den Besitzer einer Blechwarenfabrik in Nieder- bieber, eine Filiale in Kurtscheid zu errichten, in der bald dreißig junge Burschen arbeiteten und bis zu zwei Mark täglich verdienten. Durch seine Bemühungen erhielten auch die Mädchen Arbeit; sie nähten die von einer Fabrik in Niederbieber hergestellten Beinknöpfe auf Kartons. Der Fabrikant Krings führte sogar eine besondere Haus­industrie auf dem Westerwald ein, die Herstellung von Zahnbürsten. Leider mußte sie infolge der apanischen Konkurrenz nach und nach wieder eingehen.

Die größte soziale Tat aber setzte der rastlose Mann 1895 ins Werk, die Gründung der Westerwälder Obst- und Heidelbeer-Ver- wertungs-Genossenschaft in Kurtscheid. Tiefes Mitleid hatte ihn immer erfaßt, wenn er zur Zeit der Heidelbeerernte nach Neuwied wanderte und ganze Scharen von Frauen und Mädchen sah, die Körbe mit 40 bis 50 Pfund Heidelbeeren, die die ganze Familie am Tage vorher gesammelt hatte, stundenweit schleppen mußten, um dann drei bis fünf Pfennig für das Pfund zu erhalten, während die Zwischen­händler sich den sechs- bis achtfachen Betrag dafür zahlen ließen. So kam dem Kurtscheider Pfarrer der Gedanke, eine Genossenschaft zur Verwertung der Heidelbeeren ins Leben zu rufen und den wucherischen Zwischenhandel, wenn nicht ganz auszuschalten, so doch zu zwingen, angemessene Preise zu zahlen. Er erließ einen Aufruf in den größern Zeitungen des Rheinlandes, der sofort lebhaften Widerhall fand. Hohe Persönlichkeiten interessierten sich für die Sache, so der Fürst zu Wied und die Fürstin-Mutter, Kardinal Krementz, Graf Westerholt zu Hönningen, Generaloberst von Loe und Geheim­rat Krupp. Der Oberpräsident der Rheinprovinz, die Provinzialver- waltung und die Landräte sicherten dem Unternehmen ihre tatkräftige Unterstützung zu, ebenso wies die bischöfliche Behörde in Limburg die Pfarrgeistlichkeit dazu an. So fuhr Schütz im Winter 1895/96 wöchentlich dreimal nach allen Richtungen des Westerwaldes, um durch Vorträge die Interessenten aufzuklären und die einzelnen Bezirke zu organisieren. Eifrige Helfer fand er nicht nur in der katholischen, sondern auch in der protestantischen Geistlichkeit, sowie in den Beamten des Fürsten Wilhelm zu Wied. Der Fürst zu Wied, der den schlichten, aber energischen und gegen Andersgläubige toleranten Kurtscheider Pastor liebgewonnen hatte und öfters besuchte, wurde Protektor der Ge- .78