Heute leben noch ihre Nachkommen vielfach in den umliegenden Ortschaften) und die Seelsorge der Lehnsleute (darunter verstand man jene reicheren Familien, die vom Freiherrn oder Grafen belehnt waren mit einem Hofgut in der entfernteren Umgebung der Neuerburg. So waren z. B. die Vorfahren des Kunst- und Handelsgärtners Matthias Boden und dessen Brüder Anton Boden III usw., überhaupt alle Boden in der Pfarrei Waldbreitbach und Kurtscheid in ihren Vorfahren der Neuerburg lehnspflichtig mit einem Hofgut zu Hausen. Diese Lehnsleute waren die nächste Abstufung vom Adel) — sondern die Burg- kapläne übten auch die Seelsorge aus in der uralten Kapelle zu Verscheid für die Ortschaften, die auf der Verscheid-Breitscheider Höhe lagen. — Wenn man bedenkt, daß diese Burgkapläne als die fast einzig Schreibkundigen auch noch als Sekretäre die Privatkorrespondenz der adligen Herrschaften führen mußten, so ersieht man, daß sie Arbeit in Hülle und Fülle hatten.
Es gab also vielerlei Gesellschaftsklassen auf der Neuerburg im Lauf der Zeiten: 1. Grafen; 2. Adlige (nobiles, Edle) als Nutznießer, Oberbeamte der Burg (sie hießen auch Walpoden oder Burgmänner) oder als Amtmänner z. B. Georg von Wied, Wilhelm von Breitbach, Hermann von Bürresheim usw.: 3. in späteren Jahrhunderten hohe Geistliche aus Cöln, die zur Belohnung für gute Dienste mit der Burg belehnt waren; 4. Knappen; 5. sogar einfache tapfere Soldaten ; 6. Burgkapläne; 7. Schultheise, z. B. Adam von Windeck; 8. Schöffen, z. B. Johann von Breitscheid; 9. Lehnsleute von Hofgütern auf einer Peripherie von 2 Stunden, z. B. die Boden zu Hausen; 10. Leibeigene, Dienstboten oder sog. Burgfriedener.
Reparaturen fanden an den Gebäuden der Neuerburg öfters statt. So soll SubdekanFlorencius de Wewelkoven zu Cöln, dem der Erzbischof Wilhelm von Cöln das Castrum Nuenbergh übertragen hatte, die Burg als Offiziat des Erzbischofs verwalten und den begonnenen Turmbau vollenden. Zur Unterhaltung und Vollendung der Bauten erhält er jährlich 150 köln. Mark. — Carl, gefürsteter Graf zu Arnberg, Freiherr zu Siebenbergen (Siebengebirge), hatte um die Mitte des 16. Jahrhunderts 4000 Gulden Aufwendungen wegen der Besatzung und Baulichkeiten zu Nurberg.
Diese zwei Beispiele genügen, um darzutun, daß viel auf der Neuerburg gebaut, restauriert und verändert wurde und daß man an den Ruinen der Neuerburg wohl die Bauart verschiedener Jahrhunderte vorfinden kann.
Wir haben oben dargelegt, daß die Neuerburg von denGrafen von Hammerstein gegründet worden sei, weil die Neuerburg eine von Wied unabhängige Herrschaft gewesen ist. Dem scheint entgegen zu stehen, daß die Walpoden von der Neuerburg sich auch Walpoden der Grafschaft van Wyde nennen. Eltester und Görtz nennen in der Anmerkung zur Urkunde Nr. 1335 unsere Walpoden „Wiedische Erbwalpoden von der Neuerburg". Das sind 96 •
