Walt = Gewalt. Bod, Gotisch: binden; Niederhochdeutsch = bieten, daher: Gebieter, Herr. Der waltende, der regierende Gebieter und Herr. In unserem Falle also ein Herr, der waltet und Gewalt hat auf Neuerburg und in der Umgegend.
Der Name „Walpode" tritt später auch in anderen Gegenden auf und umfaßt ursprünglich die beiden Aemter eines heutigen Bürgermeisters und Amtsrichters in einer Person. In einer Urkunde über die Rechte des Kurfürsten von Trier vom 16. November 1556 (Die Weis- tümer der Rheinprovinz I. Bd. I. Abt., herausgegeben von Hugo Lorsch, Bonn, Hermann Behrendt, 1900) gilt das Wort „Walpott, walpot" sogar für „Vorsitzenden des Hjochgerichts". Im 16. Jahrhundert trat an die Stelle von „Walpod" das Wort „Amtmann" und bezeichnet die Amtstätigkeit unserer heutigen Bürgermeister; der Ausdruck „Walpod" verblieb dann als Amtstitel nur noch kurze Zeit den höheren Gerichtsbeamten.
Ja, wie wir im Verlaufe unserer Darstellung zeigen werden, wurde dieser Amtstitel in manchen Gegenden später zum Familiennamen, ähnlich wie jetzt oft sehr reiche, angesehene, sogar adelige Leute: Müller, Schmied, Schmitt, Schuster, Schneider, Schäfer, Schütz, Krämer usw. heißen, weil in altersgrauer Vorzeit ihre Ahnen eben Müller, Schmiede, Schuster, Schneider u. s. w. waren, was aber ihrer heutigen Lebensstellung nicht im Geringsten Abbruch tut.
So gab es einen Waldbott oder Walpod von Andernach, von Bassenheim, von der Neuerburg, von Oberlahnstein, von Reichenstein, von Vallendar, von Waltmannshausen, von Braubach usw. (Hammerstein Regesten).
Indem Beitrag zu den „Annalen des Vereins fürNassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung", 38. Bd, 1908, Wiesbaden: „Die Walpoden von der Neuerburg und Herren von Rejichenstein", nach dem Nachlaß des Amtsgerichtsrats Düsjsell, herausgegeben von Dr. Joh. Schultze, Kgl. Archivassistent, finden wir eine weitläufigere Erklärung des Ausdruckes „Walpode" S. 108 u. fl.:
„In dem Gefolge des Grafen Heinrich von Sayn und seiner Gemahlin Mechtildis begegnen uns die Ahnherren der späteren Herren von Reichenstein unter dem Namen „Walpoden von der Neuerburg." Ueber ihren Ursprung wissen wir nichts; die Urkunden nennen sie „nobiles viri". Mithin gehörten sie nicht dem Ministerialenstand an, sondern einem freien Rittergeschlecht, das in dem Gebiet des alten Engersgaues anscheinend reich begütert war. Sie hatten Besitzungen zu Heimbach und Weis bei Engers und weit zerstreut auf dem Wester- walde in der Gegend von Dierdorf und Altenkirchen und in der Nähe der Neuerburg.
Die Bezeichnung „von derNeuerburg" führen sie als Vasallen der dortigen Herren zu jener Zeit des Grafen Heinrich und der Mechtildis von Sayn, von denen sie neben anderem Besitz daselbst 100
