Ständen undBerufen irgendwo Gelegenheit gegeben wird, das religiöse Leben wieder aufzufrischen und zu erneuern.
Ich bin nun Staatsbeamter und bin dermaßen zu Hause mit Amtsgeschäften überbürdet, daß ich kaum Zeit finde, sogar am Sonntag nicht, ernstlich und länger über den Zweck meines Daseins, über die Ewigkeitsdinge nachzudenken.
Sollte es da nicht möglich sein, daß an solchen größeren Kurorten erfahrene, seeleneifrige und redegewandte Geistliche einer Großstadt während 3—4 Tagen mal täglich morgens und abends sowohl im August wie im September zu einer zusagenden Stunde — sagen wir nicht „Exerzitien und Missionspredigten", da diese Ausdrücke abschrecken dürften — religiöse Konferenzen über die Ewigkeitsdinge halten würden?! Ich glaube, es würden sich Geistliche genug finden, die sich eine Ehre und Freude daraus machen würden, solche Konferenzen zu halten. Die Bischöfliche Behörde müßte aber selbst die Initiative ergreifen. Auch müßte sie allen klösterlichen Instituten in Kurorten aufs strengste ans Herz legen, nicht mehr für billigeres Geld, als die Hotels — denn nur deshalb gehen manche Lebemenschen in ein Kloster wohnen und essen —, sondern nach der Taxe der anderen Kurhäuser Gäste aufzunehmen, die nicht allein Ruhe im Hause, Anstand und Nächstenliebe am Tische zu beobachten, sondern auch täglich dem Gottesdienst beizuwohnen haben usw. Ganz strenge Hausregeln müßten die Oberinnen den sich anmeldenden Personen zusenden, damit sie sich durch Unterschrift zu deren Befolgung verpflichten. Erfüllen sie das Unterschriebene später nicht, dann heraus mit ihnen! Es kommen bessere, auch besser zahlende Gäste an ihre Stelle. Mit strengen Verpflichtungen halten klösterliche Kurhäuser sich unpassende Gäste aus dem Hause. Klöster sollen eben nicht bloß „billige Gasthöfe" sein, sondern auch ernste, religiöse Gedanken mitgeben ins Leben. Warum sollen die guten Schwestern aus ihren Familien Lebensmittel herbeischaffen, dann persönlich darben, um damit Lebemenschen satt zu füttern?! Glauben Sie mir, mein lieber Herr Professor, was ich Ihnen hier schreibe, habe ich noch gestern in einer Gesellschaft von gutgesinnten Herren aussprechen hören, die allgemein der Ansicht waren, daß unbedingt „religiöse Konferenzen" von der geistlichen Behörde für die Hauptsaison im August und im September, also 2mal eingerichtet werden müßten, wenigstens auf 4—5 Tage, wenn den meisten Bade- oder Kurgästen im .Leben Gelegenheit gegeben werden soll, mal in Ruhe über ihre religiösen Pflichten nachzudenken und ihr Gewissen in Ordnung zu bringen. O, gar manche ernste Weltmenschen würden der Bischöflichen Behörde für so eine Gelegenheit dankbar sein! Wenn 80 von 100 über so einen Plan spottend lächeln, sind 20 % ebenso dankbar. Man erfülle aber den Wunsch dieser 20! Sie würden sicher kommen und all die Tage treu ausharren! Und die Ernte würde voraussichtlich noch größer sein. Und diese 20 °/ 0 der Bade-
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