— 50 -.
belle sie mit der größten Milde. Aus dem Kölner Gefängnis ließ er sie häufig abends in.heitere, freundliche Zimmer führen. Dort zechte er mit den Banditen, hörte mit unver- holener Bewunderung der Erzählung ihrer Abenteuer zu und erfuhr, indem er so an ihren Ehrgeiz appellierte und die wenigen sonst noch guten Saiten ihres Gemütes berührte, ein Adenteuer nach dem anderen. Dieser leidenschaftlichen Liebe zu seinem Amte und zlim Studium der in solchen Ber- vrecher-Naturen verborgenen psychologischen Rätsel ver- dankte Herr Keil die einzig genauen Kenntnisse von dem in Dunkel und Geheimnisse gehüllten Ääuberwesen der da- maligen Zeit. Gestützt auf diesen 3uslizbcamten Konnte dann 3eanbon St. Andree sichere und vernichtende Griffe in die Räubernestel tun.
Die ersten sicheren Fäden erhielt Keil durch die Verhaf- tung Heckmanns in die Hand. Der bergische Räuber hatte von Eckenderoth aus mit Meyers und den anderen in der Gegend von Aschaffenburg sein Handwerk ausgeübt und dann vom Hause des Spielmanns Mathes in Deutz aus die Kölner Gegend unsicher gemacht. Es gelang, ihn in Köln zu verhaften und im FranKentuiM einzusperren. Doch Heck- mann erschlug seinen Wärter mit einem steinernen Wasser» Krug und entkam. Die Spuren des Flüchtigen wiesen nach Neuwied und zum Hause des Belz, wo Keil mit Genehmigung der fürstlich-Modischen Behörde eine Razzia vornahm, bei der ihm eine ganze Bande von Veteranen, aber leider nicht Heckmann in die Hände fiel. Die Kerle, Piccard und Genossen, hatten vollgültige Pässe, auch waren sie damals in ihren wahren Eigenschaften Keil noch nicht bekannt.
5
