einen, Husaren-Detachement, sowie der Iudcnschllft zu Pferde bestehend, in Wahlcrod abgeholt worden.
Ein heiterer Zwischenfall, der viele Jahre später noch erzählt wurde, trug sich bei dieser Gelegenheit zu. Das Pferd des jüdischen Gelehrten zu Altenkirchen ging nämlich durch, als dieser sich an die Spitze seiner Glaubeusgcnosscu begeben wollte, um de» Herren Commissarien eutgegenzu- reiten. Ueber Stock und Stein galoppirte der scheu gewordene Navpe mit seinem ungewohnten Neiter in's Blaue fort, der nicht im Stande war, die Zügel zu gebrauchen, und ergebungsuoll seinem Schicksal entgegensah. Im Walde gewahrte ein Wandersmann den seltsamen Aufzug: „Nun, wo soll's hin, Baruch!" fragte dieser den zitternden Neiter. „Das weiß Gott uud das Pferd", erwiederte der in seiner höchsten Noth noch witzelnde Hebräer.
Am 21. Februar erfolgte der Akt der Huldigung, der von Bällen, Ständchen, Fackelzügen und anderen Festlichkeiten begleitet war, wobei sich namentlich wieder die Bergchöre auszeichneten, die unter Anführung des Bergraths Cramer zur Huldigung erschienen waren.
Fürst Karl starb bald nach seinem Antritt der Alten- kirchener Lande, und sein Bruder Friedrich August folgte ihm am 4. Juni 1803 in der Negieruug.
Dieser Fürst trat im Jahre 1806 dem von Napoleon gestifteten Rheinbünde bei, in Folge dessen er einen Länder- zuwachs von 31 Quadratmeilen mit 84,500 Einwohnern und den Herzogstitel erhielt. Ebenso wurden beide Linien des Hauses Nassau (Weilburg und Usingen) für ein un- theilbares Ganze erklärt, und Friedrich August zum Senior des Hauses ernannt. Diese Nachricht wurde in Altenkirchen mit Kanonenschüssen begrüßt. Diese Kanonenschüsse waren das Grabgeläut für Deutschlands Größe. Von nun an durften deutsche Fürsten ihre Landeskinder einem ausländischen Gewalthaber preisgeben, um sie einem fremden Interesse in fernen Landen hinschlachten zu lassen.
