98 —
hingerissen, wagte sich zu weit unter die österreichischen Vlänkler, und hier traf ihn die Kugel eines tyroler Jägers, der hinter einem Strauche verborgen lag. Tödtlich verwundet sank der General vom Pferde. Seine Leute trugen ihn schleunigst aus dem Gefechte, und Iourdan ließ ihn nach Altenkirchen in Sicherheit bringen. Kaum hatte man jedoch den Sterbenden dort in dem sogenannten Gouvernementshause untergebracht, als die Oestreichcr schon in die Stadt eindrangen und die Franzosen in die Flucht schlugen, die ihren sterbenden General in den Händen des Feindes zurücklassen mußten.
Diesem ward auf ausdrücklichen Befehl des Erzherzogs Karl alle mögliche Sorgfalt gewidmet: doch das Schicksal verlangte sein Opfer, und der jugendliche Krieger hauchte am 23. September 1796 in den Händen seiner großmüthi- gen Feinde seine Seele aus. Sein Leichnam wurde nach Neuwied und von da nach Coblenz gebracht, wo sich Freund und Feind vereinigten, um ihn feierlich zur letzten Nuhe zu bestatten.
Der General Marceau besaß ein schönes, männliches Aeußere, und einen edlen, humanen Charakter, der ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahrt hat. Sein früher Tod erregte allgemein die lebhafteste Theilnahme. Man konnte es kaum glauben, daß sich sein tragisches Geschick auf natürliche Weise vollendet habe, und die Sage hat seinem schnellen Ende manche Umstände angedichtet, denen er zum Opfer gefallen sein sollte. Eine gewöhnliche Erzählung derselben, die sich bis heute erhalten hat, ist diese:
Marceau soll mit einem jungen, schönen Mädchen, einer Deutschen, in einem Liebesverhältnis gestanden, mit der dem Franzosen eigenen Leichtfertigkeit aber dieses Ver- hältniß plötzlich abgebrochen und das Mädchen im Stich gelassen haben, wodurch dieses sich aus Gram den Tod gegeben hätte. Der Bruder — nach anderen der Vater — dieser Unglücklichen faßte hierauf den Plan, sich an dem
