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In unserer Gegend blieben bis zum Tode des Kaisers Tiberius Teutsche und Römer ruhig. Vielleicht schon vor dem Jahre 14 nach Christi Geburt hatten Römische Legionen zur Bewachung des Pfahlgrabcns, an dem Castell bei Niedcrbiebcr gebaut. Die dort gefundenen Trümmer von Backsteinen tragen die Stämpel der achten und zwei und zwanzigsten Legion und der vierten Bindelicischcn Cohorte, wahrscheinlich derselben, die 169 in Mainz gelegen hatte °°).
Ungewiß ist es, ob auch, nach einem zerbrochenen Steinstämpel, die ein und zwanzigste Legion hier war. Sie hatte um jene Zeit zu Tanten ((^n-a Venera) ihr Winterquartier ^), empörte sich nach Au- gustus Tode, und zog wider Armin in gefahrvollen Kampf. Die vierte und die zwei und zwanzigste, standen in den Jahren 69 und 70 in dem oberen Germanien, bis nach Koblenz und Andernach, wo man auch Stcinmerkmahle von ihnen gefunden hat °°). Die vierte, achte, ein und zwanzigste (N,apax genannt) und zwei und zwanzigste, empörten sich an dem Niederrhcin im Jahre 70 wider den Kaiser Galba, erhoben Vi- tellius zum Kaiser, zogen mit ihm nach Italien ") und nahmen in den letzten dreißig Jahren des ersten Jahrhunderts, an dem Batavischcn Kriege Thcil. Einige Legionen hießen Victriccs «°). Die Glieder derselben hießen daher wohl Victoricnser, entweder von irgend einem Standort Victoria, oder von ihrer Schutze göttin benannt. Ein kleines Standbild der letzten hat sich in dem Castell bei Niedcrbiebcr gefunden. Hieraus läßt sich aber noch nicht folgern, daß die Römische Neste Victoria geheißen habe. Aus diesen Zeugnissen crgicbt sich übrigens, daß der Ort Biber (Biedern) ein beträchtliches Standlager war; noch mehr erhellt dieses thcils aus den entdeckten Pflastcrstraßen, die von dem Nheinuscr unter Neuwied, und von Engels aus, nach Heddesdorf und Nomersdorf, und von dort nach Niedcrbiber und gegen die Altcck hinan liefen, theils aus den Römischen Landhäusern zu Nomersdorf, Heddesdorf und nach Neuwied her, und aus den an diesen Stellen aufgefundenen Altcrthümcrn.
Mit allen Bequemlichkeiten des häuslichen Lebens hier sich niederzulassen, und eine Stadt anzulegen, wie dicß bei Standlagern zu geschehen Pflegte «^), hatten die Römer Zeit genug; denn ihre Veste stand noch unter Constantinus, in der ersten Halste des vierten Jahrhunderts, wie die hier gefundenen Münzen mit dem ^ Brustbilde und Namen dieses Kaisers beweisen. Weder der Name, noch die Schicksale dieser Nömerstätte bis
zu ihrer Zerstörung sind bekannt; die Römischen Gcschichtschrcibcr wurden wohl von den wichtigeren Begebenheiten an dem linken Rheinufcr zu sehr in Anspruch genommen, als daß sie auf die Lagerplätze diesseits Rücksicht genommen hätten. Nur etlicher im südlicher« Teutschland und am Obcrrhein haben sie erwähnt, doch sagen sie von denselben überhaupt, daß es feste, reiche und mächtige Städte gewesen scyen «°).
In unserer Gegend blieben auch nach Gcrmanicus Entfernung Römer und Teutschc ruhig, bis zum Tode des Kaisers Tiberius. Der Versuch des Lucius Florus, die Trierer aufzuwiegeln, wurde vereitelt "). Die Friesen aber standen wider ihren habsüchtigen Statthalter Olennius auf, und vcranlaßten Römische Hccr- züge vom Obcrrhein durch unsere Fluren, besiegten den Befehlshaber des untern Germanicns Lucius Apro- nius, und erkämpften sich auf einige Jahre Freiheit "). Die Römischen Nhcinbcsatzungen hielten sich hinfort mehr vcrthcidigungsweise, nur daß unter Kaiser Claudius die Chauken, Kalten und Marsen von Gabinius angegriffen wurden °°). Die Kaiserin Agrippina, die unwürdige Tochter des Gcrmanicus, machte ihren Ge- » 2Z. burtsort, die Stadt der Ubier oder Agrippmenscr, durch eine Colonie von Römern zu einer Römischen Pflanz- Z8 -60. stadt, die daher den Namen Köln erhielt "). Diese wurde bald darauf durch einen Erdbrand bis an ihre Mauern bedroht, die umliegenden Felder und Höfe der Ubier aber, und die Römischen Anpflanzungen, wur-
33) S. Fuchs Geschichte von Mainz, Bd. II. 853. 57) l^'it. Hl,». I,, 81. 45, 64.
58) l^cit Ui5toiillr. I.. I., 18. 55. 56. S. LcliueniUn, ^wllia i!1»5tr. ?. I. Knapp» Nöm. Alterth. des Odenwalds, S. 181. -
59) lacit. Ui«t. 1 , 55. II. 100, III. 10. 60) l'llci't. Ni«t. IV., 68, 61) 1>»eit. Ni«t. IV., o. 22. 62) Luti-a^. VIII., V. Vc,pi«c. m ?rol)° c. 13. 6Z) l'acit. 4„n. III., 42.
64) ?»c-it. änn. -IV., 73, 74. XI., 19. 65) llic, 0.155. I.X. 66) l'acit. Hi.nal. XII., 27.
